Archiv für Februar 2010

Die Krux mit den Kommentaren

Montag, 22. Februar 2010

Eine der herausragenden Funktionen von Blogs ist die Kommentarfunktion. Man könnte sagen, daß es sich um ein absolutes Alleinstellungsmerkmal handelt. Kommentare sind das Ende der publizistischen Einbahnstraße, sie bedeuten Reflektion und Austausch. Im besten Fall.

Vor Jahren, als ich mein erstes „Blog” noch handgestrickt und per FTP hochgeladen habe, gab es dort aus technischen Gründen keine Möglichkeit zur Kommentarabgabe. (Besser nicht fragen, warum. Meine damalige technische Unzulänglichkeit ist mir heute ein kleines bißchen peinlich. Meine heutige allerdings meistens auch, das wird wohl immer so bleiben.) Vor allem, weil es keine Kommentarfunktion gab, habe ich irgendwann angefangen, mich nach einer Lösung umzusehen. Zunächst bin ich zu Twoday gewechselt, kurz darauf dann auf eine eigene Domain. Kommentare waren und sind mir einfach wichtig.

Im besten Fall kommen auf Basis der Kommentarfunktion Begegnungen und Bekanntschaften zustande, mitunter sogar Freundschaften. Auch fein ist ein intensiver Austausch, Ideen und Informationen können auf der Basis entwickelt werden. Ärgerlich sind Spamattacken und richtig nervig, wenn man sich einen hartnäckigen, womöglich auch noch bösartigen Troll eingefangen hat. Das alles ist jedoch noch harmlos.

Die rechtliche Lage ist – grob gesagt und ohne rechtsverbindlichen Anspruch – eindeutig: Niemand darf auf meinen Seiten Unsinn in den Kommentaren hinterlassen. Das gilt vor allem für rechtwidrige Links, nicht jugendfreie Werbung und Ignorieren des Urheberrechts. Selbstverständlich möchte auch kaum jemand sonstige Werbung ungefragt dort beherbergen. Außerdem dürfen keinerlei Beleidigungen oder Verunglimpfungen dort veröffentlicht sein, ganz egal, wer damit gemeint sein könnte. Also keine öffentliche oder private Person oder auch nur ein Nutzernick darf dort beschimpft werden. Und es gibt sicherlich noch einiges mehr, auf das man in dem Zusammenhang zu achten hat.

Im Klartext bedeutet das: Kommentare müssen zwingend überwacht werden. Im Zweifel einfach von Herzen löschen. Besser ist besser.

Richtig übel wird das allerdings bei Blogs mit Magazincharakter. Solche Blogs werden häufig mit den gängigen Nachrichtenportalen verwechselt und haben daher mit denselben Schwierigkeiten zu kämpfen, wie sie auch auf eben diesen professionell aufgezogenen Seiten auftreten. Mit dem Unterschied, daß der damit verbundene Arbeitsaufwand von einem einzelnen Blogger oder auch einem Bloggerkolletiv kaum geleistet werden kann.

Das Hauptstadtblog beispielsweise zieht seit jeher eine zwar recht kleine, aber doch höchst aktive Schar von Stammkommentatoren an. Das erhöht zwar die Diskussionsquantität, damit jedoch nicht zwingend auch die Diskussionsqualität. Meistens geschieht das Gegenteil und jeder einzelne Beitrag wird, ganz und gar unabhängig vom vorgegebenen Thema des Beitrags, für den immergleichen Streit genutzt. Darüber hinaus werden alle Versuche, dieses Gehampel möglichst zu unterbinden, gerne auf eine Metaebene gehoben und ebenfalls immer und immer wieder in den Niederungen der Kommentaren durchgekaut.

In dieser Situation hilft oft nur noch, die Kommentare für eine Weile ganz abzuschalten, um das Getrolle grundsätzlich auszuhungern. Nicht schön, aber es bringt eine beinah göttliche Ruhe in das Geschehen. Und natürlich die Diskussion, ob ein Blog ohne Kommentare denn überhaupt ein Blog ist.

Einmal haben wir das im HSB schon gemacht, und heute bin ich fast wieder soweit. Nachdem einer unserer Oberspaßmacher sich gegen Mittag eine Weile lang amüsiert hat, indem er im Minutentakt etliche Zitate in lateinischer Sprache unter diverse Beiträge postete. Was ich dann, als Nichtlateinerin, dennoch auf Inhalt zu prüfen hatte. Das geht nicht anders, das muß einfach sein. Ganz besonders bei den ohnehin blogbekannten Querulanten.

Doch an einem gewissen Punkt ist auch damit einfach Schluß. Da vergeht mir jegliche Lust, und zwar exakt in dem Moment, in dem das Ganze zu einem Machtspiel wird. Wenn es nicht mehr darum geht, etwas Bestimmtes zu sagen, sondern nur noch darum, überhaupt irgend etwas zu sagen. Gegen die putative Macht des Blogbetreibers. Wie ein kleiner Junge in der Warumphase, auch wenn es sich in dem Fall wohl eher um eine Darumphase handelt. Eine Guerillataktik im Grunde.

Doch es sind die vermeintlich Ohnmächtigen, die eine solche Gesamtlage beherrschen. Das ist lächerlich, aber es ist so. Und es hilft einfach nichts, nur die vollständige Verweigerung.