Archiv für Juli 2013

Schreiben. Und darüber reden.

Dienstag, 30. Juli 2013

Mich in einen Text hineindenken und dann wieder hinaus. Das mochte ich als Kind schon, in der Schule habe ich nichts anderes wirklich gern getan. Gut, vielleicht habe ich nicht besonders viel geredet, damals. Viel lieber habe ich gedacht, später dann geschrieben. Das war leiser und leichter, sicherer auch. Das vor allem. Aber Textarbeit, egal ob laut oder leise, das war tatsächlich das einzige, was mir Schule sinnvoll erscheinen ließ. Der Rest war Beiwerk, Unterhaltung höchstens, manchmal auch Anstrengung. Notwendiges Übel. Aber nie mehr, niemals Leben und Atem und Glück.

Natürlich wurde in der Schule nicht über Selbstgeschriebenes gesprochen. (Damals zumindest noch nicht. Heute soll das ja anders sein, habe ich gehört.) Oder wenn Selbstgeschriebenes Thema war, dann nur in Bezug die halbwegs korrekte Anwendung der verschiedenen Aufsatzarten, Rechtschreibung und Zeichensetzung natürlich, ein wenig Stilistisches vielleicht. Mehr nicht. Zu viele Regeln, zu viel Geschwätz. Zu wenig Wissen.

Für mich ganz allein habe ich dennoch hinter den Worten immer eine existierende Welt gesucht, irgendeine. Und den Menschen natürlich, der das geschafft hatte. Geschafft und geschaffen. Immer war mir diese Suche präsent, mein persönliches Prinzip Hoffnung. Und oft genug habe ich auch etwas gefunden. Oder es geglaubt, für eine Weile. In mir selbst natürlich. Vermutlich. Vielleicht mehr als irgendwo sonst. Im Text etwa, der doch nur aus Worten besteht?

Etwas ist heute anders, besonders das mit dem Reden über Text. Ich schreibe und rede darüber, hier im Netz und auch sonst. Schreiben ist Arbeit, immerzu. Schreiben ist niemals fertig. Schreiben ist verstärktes Denken. Schreiben, bis aufhört, wie der Atem aufhört, irgendwann. Anders kann ich mir Leben vorstellen, anders will ich nicht leben. Gedankenlos und verloren. Schreiben ist die Welt. Text ist meine Existenz, auch wenn ich schweige. Meistens.

Deshalb, unter anderem, ist Klagenfurt ein solcher Gigant. Weil dort die Arbeit, das Abwägen und Ausloten, das Hin- und wieder Herdenken und das beständig mögliche Scheitern aller Beteiligten so hinreißen offensichtlich wird. Aber das nur am Rande.