Archiv für die Kategorie „Bloggen I /Grundlagen“

Leben und Schreiben

Sonntag, 18. Dezember 2011

Sprache ist die Quelle von Mißverständnissen, das ist nichts Neues. Kommunikation ist eine komplexe Sache. Dazu braucht es mehr als nur Sprache, das steht wohl außer Frage.

Beim Bloggen ist das nicht anders, insbesondere bei der ganz persönlichen Art des Bloggens. Und sie sind ja nicht selten, die Tagebuchblogs zwischen persönlichem Erleben und literarischer Verarbeitung des Alltags. Auch hier ist mehr als Sprache gefragt, um zu verstehen. Oder aber manchmal auch nicht zu verstehen. Das gehört eben auch mit dazu.

Auch Claudia von der Sammelmappe kann ein Lied davon singen. Dieser Tage hat sie wieder einmal zusammengefaßt, wie es ihr mitunter ganz persönlich beim Bloggen ergeht:

Mir ist es sowohl in der realen als auch in der virtuellen Welt nicht fremd, dass ich auf Menschen stoße – bzw. eher umgekehrt, diese Menschen stoßen auf mich, machen sich ein Bild von mir und nach einer Weile fühlen sie sich provoziert, weil irgendetwas in diesem Bild nicht mit der Vorstellung, die sie sich von mir machen übereinstimmt. Je nach Persönlichkeit dieser Personen wird mir dann mehr oder weniger aggressiv gegenüber getreten. Mir werden Fehler in der Kommunikation vorgeworfen, mir wird erläutert, was die richtigen oder wichtigen Probleme, Themen oder Lebensentwürfe wären. Mir wird auseinandergesetzt, welche Reaktionen man sich von mir erwarten würde – und ganz wichtig: mir wird versichert, wie hoch man mich schätze und dass man deshalb zu meinem Besten in diese Dikussion mit mir eintrete.

Mißverstanden werden, mißinterpretiert und aus mißlichen Gründen unvermittelt aggressiv angegangen, das passiert immer wieder. Das gehört auch beim Privatbloggen einfach dazu, darauf sollte man gefaßt sein. Es ist wie mit jeder Literatur, die Versuchung ist groß, hinter dem Text die Person zu erkennen und klar zu definieren. Das ist jedoch nur ein Spiel, das man durchaus einmal spielen kann, um sich selbst auf die Schliche zu kommen. Nicht jedoch den anderen. Die Menschen hinter dem Text zu durchschauen ist ein Aspekt, der von Grund auf zum Scheitern verurteilt ist.

Für den oder die PrivatbloggerIn bedeutet das: Letztendlich hilft nur Gelassenheit. Und die Gewißheit, daß das eigene Leben ohnehin die einzige Konstante ist. Im eigenen Leben.

DAS Blog ist DAS Blog ist DAS Blog

Freitag, 26. August 2011

Nur kurz, als Statement sozusagen: Ich bleibe bei DAS Blog, ist doch klar.

Auch wenn es ganz nüchtern und sprachwissenschaftlich betrachtet inzwischen ganz anders aussieht. Das hat gestern das Sprachlog detailliert und mit Grafiken aufgehübscht ausgeführt, selbst wenn der Autor dabei eindeutig auf meiner, also auf der richtigen Seite ist:

Warum sagt mein Sprachgefühl mir etwas so völlig anderes? Nun, zunächst ist klar, dass Blog eine Abkürzung von Weblog ist, und darin ist das Wort log enthalten. Die deutsche Entsprechung Log(buch) ist ein Neutrum, und als das Wort (We)blog vor noch nicht allzulanger Zeit ins Deutsche entlehnt wurde, war es deshalb auch ein Neutrum. Eine nach Jahren aufgegliederte Suche in den deutschen Tageszeitungen im Deutschen Referenzkorpus zeigt, dass das Verhältnis Neutrum/Maskulinum sich über die Jahre tatsächlich vom Neutrum zum Maskulinum verschoben hat …

Ach, wir werden den Kampf verlieren, das ist wohl klar. Leider.

Bloggen ist Schenken

Sonntag, 27. Februar 2011

Viel wird geredet und geschrieben dieser Tage über die plötzliche Hoffähigkeit des Plagiats. Eines möchte ich daher gleich vorab festhalten: Im Folgenden möchte ich keinesfalls zum Ausdruck bringen, daß es beim Bloggen etwa darum ginge, Inhalt zur freien weiteren Verfügung zu stellen. Nein, das selbstverständlich nicht! Weder für andere BloggerInnen noch für diverse Printprodukte oder was auch immer ist mein Blogcontent frei benutzbar. Wohl aber frei zugänglich. Alles klar?!

Darüber sollten sich BloggerInnen im Klaren sein, daß sie in welcher Art von Blog grundsätzlich Geschenke machen. Das Lesen ist für die KonsumentInnen jederzeit umsonst, das sollte es zumindest sein. Ebenso das Bildbetrachten, das Videoschauen, die Erweiterung des Wissens also, das Lesen, Lernen und Lachen im Netz. So soll es sein. Und sollte es definitiv bleiben.

Davon weitgehend unberührt gibt es weitere Arten der Verwertung:

  • Der Verkauf von Abdruckrechten bei Bildern etwa, das kommt immer wieder einmal vor.
  • Auch Texte werden tatsächlich hin und wieder angekauft.
  • Oder BloggerInnen für Vorträge und Expertenrunden gebucht.

Alles das habe ich schon gemacht, für Geld natürlich, ja, ich blogge inzwischen sogar regelmäßig gegen Bezahlung. Dagegen ist nichts zu sagen, es handelt sich keineswegs um einen Widerspruch. Zumindest, solange der Inhalt nach wie vor frei zugänglich ist.

  • Außerdem gibt es flattr, ein nicht unumstrittenes Bezahlsystem, das inzwischen viele Blogs nutzen.
  • Und diverse Werbemöglichkeiten, die ein kleines Zubrot versprechen. Und womöglich auch halten.

Auf dem Gebiet der Werbung verfüge ich über wenig praktische Erfahrung. Nur, daß es rechtliche Konsequenzen hat, das weiß ich wohl. Darauf ist also zu achten. Flattrn kann man auch hier, aber erfahrungsgemäß lohnt es sich bei wenig bis mittelmäßig frequentierten Blogs kaum. Leider, denn im Grunde ist es doch eine schöne Idee, gerade für eher kleine Blogs, möchte man meinen. Aber gut.

Bestimmt gibt es noch viel mehr, von dem selbst ich noch nie zuvor gehört habe. Das kann man vorsichtig ausprobieren, nach und nach, oder aber das gleich ganze Blog damit zupflastern. Ganz wie es beliebt.

All die schönen Sachen taugen sowieso überhaupt nichts, ohne vernünftigen, tragfähigen Inhalt. Da fängt es also an, damit steht und fällt jedes Blog. Und dieser Inhalt sollte frei sein und frei bleiben. Content kann man sich selbst also keineswegs schenken. Trotzdem ist und bleibt er aber auf jeden Fall ein Geschenk.

Blogger stehlen nicht

Sonntag, 12. Juli 2009

Daß Blogger lügen, habe ich vor einiger Zeit bereits in den Raum gestellt. Blogger können und dürfen das, dazu stehe ich immer noch. Und sie tun es, alle, davon bin ich fest überzeugt. Denn Lügen gehört zum Leben. Bis zu 200 mal tut es jeder Mensch, und zwar täglich. Das ist nicht zuletzt durch Forschung belegt, auch wenn sich das kaum jemand vorstellen kann. Nicht einmal ich, wenn ich ehrlich bin. Und ich bin mir durchaus darüber im Klaren, daß es so ist. Zum Beispiel, daß Lügen eine großartige Hirnleistung sind, ein fester Bestandteil unserer sozialen Intelligenz. In dem Sinn also ein Anlaß zu Freude und Hoffnung.

Was hingegen auf gar keinen Fall erlaubt ist, das ist Diebstahl. So etwas tut man nicht nur nicht, daß man sich einfach irgendwo im Netz bedient – ganz gleich ob es um Bilder, Texte oder anderes Material handelt. Es ist auch rechtlich höchst fragwürdig.

Im Klartext: wer einfach irgendwo klaut, handelt sich möglicherweise richtigen Ärger ein, und das kann nicht nur unangenehm werden, sondern im Zweifel auch ziemlich teuer. Auch im Netz gilt so etwas eigenartiges wie das Urheberrecht mit all seinen komplexen Regelungen, die bei einer Veröffentlichungen üblicherweise in mehr oder weniger differenziert Verträgen geregelt werden. Selbstbedienung ist also definitiv nicht angesagt, selbst für das reine zitieren gelten strikte Regeln. Wie im Printbereich auch. Blogs sind Publikationen, da hilft nichts. Das muß man wissen, da muß man durch.

Ehe man also irgendwo abschreibt, sollte man sich schlau machen. Viele Blogs haben Regelungen getroffen, die sich im Impressum oder auf anderen ausgewiesenen Seiten nachlesen lassen. Die meisten Blogger orientieren sich dabei an den Creative Commons, die häufig sogar außergewöhnlich umfangreiche Rechte einräumen. Nachsehen sollte man aber trotzdem und zwar ganz genau. Und wenn man nichts findet, dann hilft nur noch eine Nachfrage per Email, ehe ahnungs- und rücksichtslos die Copy & Paste-Funktion anwandt wird. Ein anderer sicherer Weg existiert einfach nicht.

Auch für die Texte, die sich auf dieser Domain befinden, besteht eine CC-Lizenz, das wird an verschiedenen Stellen klargestellt. Unten in der Sidebar ist ein kleiner Button, und auch im Impressum wird ausdrücklich darauf hingewiesen.

Hätte sich der Betreiber oder die Betreiberin des Blogs Arbeitstitel: Hirnwurz rechtzeitig um diese Dinge gekümmert, wäre ihm oder ihr vielleicht klar gewesen, daß dieser Eintrag in seinem oder ihrem Blog rechtswidrig ist. Die von mir verwandte Lizenz erlaubt die Verwendung meiner Texte unter folgenden Bedingungen: 1. Namensnennung, 2. nichtkommerzielle Nutzung und 3. keine Veränderung. Soweit ich das beurteilen kann, wurde – ursprünglich – nur eine der Bedingungen eingehalten.  Ursprünglich, weil inzwischen mein Name an prominenter Stelle nachgetragen wurde. Was allerdings lange nicht der Fall war, wie man unschwer an Kommentar Nummer 26 sehen kann. Ich mußte auch erst einigermaßen deutlich darauf hinweisen. Eine kommerzielle Nutzung des Hirnwurz-Blogs hingegen konnte ich bislang tatsächlich nirgendwo entdecken, immerhin.

Ein solches Vorgehen ist unverschämt, auch wenn es möglicherweise einer gewissen Unerfahrenheit anzukreiden ist. Bedauerlich ist vor allem, daß ich auf die Art an der  Diskussion nicht zeitnah teilhaben konnte. Und auch nicht teilnehmen. Das wäre durchaus interessant gewesen, scheint mir aber nunmehr gänzlich irrelevant. Eine vertane Chance. Schade!

Jammern gilt nicht

Donnerstag, 30. April 2009

Else Buschheuer, eine der bekanntesten deutschen Bloggerinnen, zieht in einem Interview nach zehn Jahren Blogpräsenz Bilanz, und das klingt ernüchtert:

Bloggen, das sind viele kleine Fehlgeburten, abgetriebene Gedanken, aber eine Geschichte zu einer großen, geschlossenen Form zu bringen, das hat Majestät.

So drastisch sehe ich das nicht. Die kurze Form ist auch eine Kunst, eine bemerkenswerte sogar. Ein Roman ist dagegen natürlich etwas ganz anderes, ein Roman läßt sich in einem Blog vermutlich nicht verwirklichen. Man muß sammeln und sortieren können. Und schreddern, ganz so wie die Buschheuer es sagt. Außerdem warten, abwarten und die Dinge wachsen lassen, wie sie es wollen. Ein Roman braucht Zeit, unendlich viel mitunter. Unerträglich kann das sein. Ich würde einen Roman in einem Blog nicht einmal versuchen. Allerhöchstens begleite ich meine Arbeit daran, schreibe meine Arbeitsprotokolle und verblogge sie in meinem Alltagsblog. Andere Autoren dagegen versuchen es durchaus, zum Beispiel Sebastian Kraus aus Kreuzberg in seinem Wrangelstraßenblog.

Blogs sind keine Geschichte, das sollte man bedenken. Sie erzählen noch nicht einmal immer welche. Blogs sind irgend etwas, was auch immer. Blogs können alles mögliche sein, und nur eines steht dabei fest: Blogs machen Tempo, immer. Sie fordern es nahezu.

Jeden Tag klicken meine Leser meine Internet-Seite an und lesen über meine Einsamkeit, mein Scheitern, meine kleinen Freuden. Schreibe ich zwei Tage nicht, krakeelen sie.

Tja, damit muß man umgehen können, mit den Erwartungen der anderen, im Leben wie auch beim Bloggen. Oder man muß es lernen, ob man nun Buschheuer heißt oder sonstwie. Und Jammern gilt in dem Zusammenhang nicht. Nein, nicht beim Schreiben, da ist Jammern einfach nicht erlaubt. Allerhöchstens mal beim Bloggen. Vielleicht.

Bloggen ist kein Drama

Dienstag, 30. Dezember 2008

Über den Sinn  und Zweck von Plots oder Plot Points oder darüber, was das überhaupt sein soll, streite ich nicht. Beim Schreiben geht es um Geschichten oder um Handlung vielleicht, im weitesten Sinn. Und darum, wie man das Ganze mit Hilfe von nichts anderem als ein bißchen Sprache transportiert. Wie man es gestaltet.

Nun sind Blogs ja Tagebücher, auch wenn es inzwischen viele differenzierende Ansätze gibt. Kernmerkmal ist und bleibt der Hang zur Tagesaktualität. Kaum jemand interessiert sich demzufolge für den Beitrag von gestern. Absolut niemand liest jemals ganze Blogs durch. (Nun ja, ich kenne schon jemanden. Ich selbst habe das auch schon gemacht, aber sehr selten.) Viel wahrscheinlicher dagegen sind Stammleser, die tagtäglich nachsehen kommen, ob es einen frischen Beitrag gibt. Oder die den Feed abonnieren, um auf keinen  Fall etwas zu verpassen.

Mit diesem vorgegebenen Zeitfluß ist Blogs eine eng gefaßte Grundstruktur unterlegt, die zunächst nahezu zwingend erscheint. Wie geht man also um mit Anfang – Mitte – Ende, immer wieder aufs Neue? Braucht es ein kleines Drama, Tag für Tag? Wo findet man nur so viele Plots?

Man kann das natürlich machen. Es ist überhaupt kein Problem, jeden einzelnen Blogbeitrag rund und vollendet zu präsentieren. Wenn man nur genug zu erzählen hat. Das dürfte dabei das weitaus größere Problem sein. Besonders Litblogs machen vor, wie das geht. Man kann es aber auch lassen, das formvollendete, das wohlgeplante und gut durchdachte. Blogs sind Tagebücher, ich sagte es schon, und damit folgen sie ganz eigenen Gesetzen. Dabei darf das Tagebuch keinesfalls unterschätzt werden. Es handelt sich ebenso um eine Kunstform, eine literarische Gattung, wie auch um ein Alltagsding mit heilender Wirkung. Welches wiederum seit 10 Jahren im Deutschen Tagebucharchiv gesammelt wird, als Geschichtsdokument quasi.

Die Grundlagen sind einfach: Das Ende liegt in der Zukunft, im Grunde gibt es also gar kein Ende. Und damit keine Ausrichtung, keinen Plot, kein Drama. Deshalb darf ein Blog durchaus einmal plätschern und dann wieder toben. Es kann sich schlagartig verdichten, von heute auf morgen auf ein einziges Thema einschießen, um gleich darauf wieder weitschweifig zu mäandern. Scheinbar ziellos. Warum nicht? Alles ist möglich. Blogs dürfen sich wiederholen und sogar widersprechen. Alles kein Problem. Eines allerdings darf nicht passieren. Blogs dürfen nicht langweilen. Alles andere ist nebensächlich.

Wer bloggen will, muß lügen

Sonntag, 26. Oktober 2008

Die weitverbreitete Annahme, daß Blogs grundsätzlich so eine Art Tagebuch seien und von daher ein naturgetreues Bild der Wirklichkeit oder gar des bloggenden Menschen selbst abgäben, ist nahezu immer falsch. Ich kenne kaum ein Blog, daß das leistet oder es auch nur versucht. Ich halte es auch für nahezu unmöglich. Immer gibt es Auslassungen, mehr oder weniger große weiße Flecken im Textgespinst. Das muß so sein. Es gibt Dinge, über die einfach nicht geschrieben werden kann. Bei aller vermeintlichen Offenheit. Nicht so zumindest, nicht öffentlich. Und auf gar keinen Fall, ohne das wahre Geschehen geschickt zu kaschieren.

Lügen ist also weitverbreitet und sowieso prinzipiell erlaubt. Alle Blogger lügen, daran führt kein Weg vorbei. Wie im richtigen Leben. Lügen sind Teil einer globalen Konstruktion. Die Frage ist nur, wie gut gelogen wird.

Man lernt es als Kind, irgendwann. Man begreift schnell, daß Lügen kein leichtes Spiel ist, sondern eines, das gut durchdacht sein will. Es hilft nicht, zu behaupten, man sei im Kino gewesen, wenn man den Film nicht erzählen kann. Nicht einmal in groben Zügen. Darum muß man sich kümmern. Wer das nicht will oder kann, der sollte es mit dem Lügen gar nicht erst versuchen. Und sich statt dessen besser in Schwiegen üben. Das geht auch, das ist der andere Weg. Echte Schweiger bloggen allerdings eher selten. Eben weil sie nicht lügen können. Oder wollen

Eine der wichtigsten Entscheidungen in Zusammenhang mit einem Blog ist die Lüge über die eigene Identität. Egal, ob unter Klarnamen oder Pseudonym gebloggt wird. Gleichgültig auch, ob Geschichten erzählt oder Tagesprotokolle erstellt werden sollen. Immer bildet sich eine Blogpersönlichkeit heraus, die mit der realen Person nur zum Teil identisch ist. Mitunter haben beide auch rein gar nichts miteinander zu tun. Je nachdem, wie weit die Verfremdung gehen soll, sind bereits im Vorfeld Überlegungen anzustellen, wie das Ganze funktionieren kann. Auf die Art wird quasi ein zweiter Boden eingefügt.

Ähnliche Überlegungen müssen natürlich in Bezug auf alle Personen, die im Blog auftauchen, angestellt werden. Die Regeln, die für die eigene Person gelten, sollten – am besten noch wesentlich strenger – auch für alle anderen zugrunde gelegt werden. Im Zweifel kann man natürlich vorher einfach mal nachfragen.

Der zweite Bereich mit meist überdurchschnittlichem Lügenbedarf tritt eher im Ablauf zutage, also beim alltäglichen Bloggen selbst. Auch die Zeit ist ein grundlegendes Problem, über das beizeiten nachgedacht werden sollte. Erzähle ich meinem Publikum immer, wo ich mich gerade befinde? Teile ich also öffentlich mit, in welchem Hotelbett nächtige und mit wem? Oder daß ich einen dreitägigen Ausflug in die Schweizer Berge mache? Muß das wirklich sein? Tatsächlich? Kann das nicht auch ein paar Tage später geschehen? Merkt doch eh keiner. Oder?

Lügen dienen vor allem dem Schutz. Nur deshalb lernen Kinder es irgendwann. Weil sie etwas für ich haben und behalten wollen. Ein Geheimnis, ein Geschenk. Oder etwas, das sie ganz allein bestimmen. Ein Erlebnis, einen Traum. Eine Welt eben. Dafür lohnt es sich zu lügen.

Für das Bloggen heißt das im Extremfall, daß eine mehr oder weniger groß angelegte Lügenstrategie bis ins Detail ausgearbeitet werden muß. Und auch darüber hinaus bedeutet es, immer wach zu bleiben und gut nachzudenken. Was geht und was nicht. Was paßt, und was liegt daneben. Es bedeutet, Entscheidungen zu treffen, Wort für Wort. Aber das ist beim Schreiben ohnehin unerläßlich.

Im Grunde muß also über den Grad der Verschleierung eines jeden Beitrags entschieden werden. Mal mehr und mal weniger. Je persönlicher das Thema, desto vorsichtiger sollte man sein. Desto besser sollte man lügen können. Gut zu lügen bedeutet vor allem, die Dinge nicht völlig aus der Wirklichkeit herauszudrehen. Sie nicht unkenntlich zu machen, obwohl auf Anhieb nichts erkannt werden soll. Das vor allem macht die Kunst des Bloggens aus. Und es gehört auch zum Schreiben, irgendwie.

Damit allerdings betreten wir endgültig den literarischen Bereich. Und Formfragen sind ein weites Feld, nahezu unübersehbar.

Blogs verfügen über eine immense Eigendynamik

Samstag, 2. August 2008

Jedes Blog hat ein Thema. Das ist so, ganz egal, ob es vorher gewählt wurde oder ob es sich selbst gefunden hat. An diesem Thema orientiert sich naturgemäß der Inhalt, in schönstem Neudeunlish auch „Content” genannt. Es gibt also Litblogs, Watchblogs, Placeblogs und eine Unmenge von Strickblogs, alle mit offensichtlich eindeutiger Ausrichtung. Kleinere oder größere Abweichungen gibt es jedoch immer. Beinah jedes Blog, selbst komplett technisch ausgerichtete, warten hier und da mit ein paar (vielleicht sogar persönlichen) Bemerkungen auf, die völlig aus der Art schlagen. Schauen Sie sich einfach mal um, nutzen Sie das Archiv oder die Suchfunktion und suchen Sie danach. Ich bin sicher, Sie werden schnell fündig.

Andere Blogs sind nicht so konsequent umrissen. Mek Wito zum Beispiel beschäftigt sich – in meinen Augen zumindest – ganz eindeutig mit Literatur, auch wenn das auf den ersten Blick nicht unbedingt zu erkennen ist. Es gibt auch Kurznotizen, technischen Kram und immer wieder Reiseberichte. Auch mein „Privatblog” engl@absurdum hat sich im Laufe der Zeit gewandelt. Ursprünglich entstand es aus der Idee, begleitend zum Schreiben Arbeitsprotokolle festzuhalten. Diese Idee gab es bereits vor der Einrichtung des ersten Blogs, damals wurden meine Notizen allerdings nur von einer einzigen Person gelesen. Und zwar analog, ausgedruckt auf Papier. Die spätere (unvollständige) Aufbereitung im Netz ist vermutlich auch nicht besonders häufig frequentiert worden. Unsinnige und damals schon veraltete Technik sei Dank.

Seit 1997 hat sich meine Blogidee also weit von seinem Ursprung entfernt, ich kann es nicht anders sagen. Auch wenn ich selbst gerade dieses Blog, im Gegensatz zu den anderen, die ich führe oder an denen ich mitarbeite, immer noch genau so verstehe.

Solche Entwicklungen sind für Blogs übrigens ganz normal, insbesondere, wenn sie bereits länger bestehen und regelmäßig geführt werden. Don Dahlmann, ebenfalls ein Mehrfach-, wenn nicht Vielfachblogger, hat es schon vor einiger Zeit zusammengefaßt. Blogs machen Metamorphosen durch, analog zu ihren Autoren. Das ist unvermeidlich.

Vermutlich macht sich jedes Blog mit der Zeit mehr oder weniger selbständig. Das ist es, was Blogs von Büchern unterscheidet. Anders als Zeitungen oder Magazine bleiben sie zwar verfügbar, dennoch sind sie häufig an den Moment gebunden. Und das in vielfacher Hinsicht, Inhalt und Autorenhaltung sind da nur zwei Aspekte. Planbar sind Blogs also nur bis zu einem gewissen Grad. Darauf sollte man von Anfang an gefaßt sein.

Alles ist Inhalt

Donnerstag, 24. Juli 2008

Morgens in der Küche höre ich BBC Radio. Immer. Das ist fester Bestandteil meiner ganz persönlichen Aufwachzeremonie, in deren Zentrum die erste und einzige Kaffeezubereitung des Tages steht. Die anderen Bestandteile wechseln, manchmal gibt es Müsli, Äpfel, Käse und Brot, ein anderes Mal nur Schokolade zum Frühstück. Je nachdem, wie die Termine liegen. Aber zwischen all dem und durch jeden meiner meist müden Morgen hindurch redet eine Weile BBC auf mich ein. Soviel Zeit muß sein.

Immerhin ist die BBC – the British Broadcasting Corporation – der Welt größtes Nachrichtending, mit Rundfunk und Fernsehen und einer mehr als soliden Website. Das Angebot dort steht in 33 Sprachen zur Verfügung, auch auf Französisch und Spanisch. Nur auf Deutsch nicht, doch darüber möchte ich an dieser Stelle nicht spekulieren.

Vielmehr beschäftigt mich seit einigen Tagen die Frage nach dem Inhalt. Wie füllt man soviel Zeit, fast ohne jede Musik? So ist das nämlich. BBC World sendet alle halbe Stunde Nachrichten, und auch dazwischen gibt es, zumindest am Morgen, nur Wortbeiträge. Reportagen, Live-Interviews und moderierte Talkrunden. Alles in höchster journalistischer Qualität und Humor. Das ist schon nach ein paar Minuten bestechend.

Natürlich ist das eine rhetorische Frage. Hinter einer solchen Firma stecken gut durchdachte Strukturen, viele verschiedene Menschen, in den verschiedensten Positionen, und nicht zuletzt eine Menge Geld. Anders geht es nicht, und das kann sich sicher jeder bildlich vorstellen. Ein Gewusel und Gehetze, rund um die Welt. Das ist BBC.

Blogger hingegen hocken meistens vor ihrem Rechner, immer auf demselben Fleck. Von dort aus kümmern sie sich um die Technik, den Inhalt und letztendlich auch noch die Leserpflege, mutterseelenallein. Das kann man natürlich nicht vergleichen, ein Blog und die BBC. Das funktioniert nicht. Ein Blog ist etwas ganz anderes, aber auch ein Blog will gefüllt sein. Und lernen kann man das überall, auch im Radio.

Neulich zum Beispiel, während gerade der Kaffee zu brodeln anfing, war doch nebenbei tatsächlich ein im Grunde absolut typischer Blogbeitrag zu hören. Keine Moderation, keine O-Töne, keine Schnitte. Nichts dergleichen. Nur ein Mensch, der eben mal schnell was erzählt. Um das Falten von Zeitungen ging es da, um die Sinnlichkeit von Druckerschwärze an den Fingern, und daß der Vater des Autors Zeit seines Lebens eine innige Beziehung zu seiner Tageszeitung gepflegt hatte.

Gut erzählt war es natürlich. Ohne Zweifel gab es auch etliche eingestreute Fakten, an die ich mich jetzt nicht mehr erinnere. Doch es war BBC, da beruht alles auf gründlichen Recherchen. Davon gehe ich aus.

Nicht zuletzt muß noch festgehalten werden, daß das Thema in letzter Zeit verschiedentlich vorkam. Wie und wieso können oder sollen junge Leute wieder an Zeitungen herangeführt werden? Informationsflut, Medienkompetenz und so weiter. Sind Zeitungen überhaupt noch zeitgemäß? Auch in Blogs wurde darüber geschrieben, wenn ich mich recht erinnere. Zumindest über Teilaspekte. Aber um das Thema selbst soll es im Moment nicht gehen. (Hab mir außerdem mal wieder die Links nicht gemerkt und jetzt keine Lust zu suchen.)

Soviel nur zum Thema Blogger und Journalisten. Es muß halt gemacht werden, und es muß gut gemacht werden. Egal wo. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen.