Archiv für die Kategorie „Bloggen IV /Praxis“

Blogger und Bummelanten

Dienstag, 31. Januar 2012

Die These lautet: Bloggen ist altmodisch, bloggen ist unattraktiv und out. Bloggen hat sich längst schon selbst überlebt. Und das nicht erst seit gestern.

Das war doch gestern, oder etwa nicht, daß Facebook die Chronik erfand, die persönliche Lebensgeschiche im Netz? Das lebenslängliche Tagebuch sozusagen, mit Text, bewegten und bewegenden Bilder und Musik womöglich, in dem von Geburt an bis zum Tod alles online dokumentiert ist. Fehlt nur noch das Tool, das den Tod einstellt, letztendlich, wenn sich der Tod einstellt. Denn das stelle ich mir einstweilen dann doch noch schwierig vor, das jenseitige facebooken. Aber wer weiß!?

Und wer hat damit angefangen, es quasi erfunden? Die Blogger natürlich. Und zwar die, die seit Jahren ihre kleinen Alltagsgeschichten ins Netz stellen, gezielt und ambitioniert, wenn auch ohne jegliche Geschäftsinteressen. Wie absurd und verwerflich, wie langweilig und lahm. Wie mühselig auch, das alles selber zu machen. Das Design, die Vernetzung und überhaupt. Mitunter muß sogar dafür bezahlt werden.

Aber es gibt sie, nach wie vor. Und das ist kein Wunder.

Mein Fazit derzeit: Bloggen war schon immer seiner Zeit voraus, besonders das Bloggen jenseits der Blogcharts. Also das gerne verunglimpfte Befindlichkeitsbloggen in den vielen kleinen Tagebuchblogs. Ich bleibe dabei. Wer weiß, was noch daraus wird.

Kommentarpsychologie

Sonntag, 31. Oktober 2010

Immer wieder lande ich beim Thema Kommentare, ich weiß. Was soll ich machen, das ist nun mal eines der entscheidenden Merkmale des Bloggens. Nur wegen der Kommentarmöglichkeit  bin ich irgendwann auf „richtige“ Blogsoftware umgestiegen. Einfach Text ins Netz stellen, das geht auch ohne. Aber ein Blog ohne Kommentare ist kein Blog. Meistens jedenfalls. Ausnahmen bestätigen die Regel.

Tolle Sache, das mit der Kommentarmöglichkeit in Blogs. Web 2.0 in Urform sozusagen, ein Nehmen und Geben. Und doch schwierig mitunter, eine Grundeinstellung dazu zu finden. Manch ein Kommentator versucht eben, es dem Blogger mal so richtig zu geben. Immer und immer wieder. Das kommt vor. Der Umgang mit den Kommentaren, die Kommentarpolitik also, ist dementsprechend eine Frage, die das eine oder andere leise bloggende Gemüt in eine mächtige Schieflage gebracht hat. Und die Ursache dafür sind, wie ich inzwischen begriffen habe, Gefühle.

In einem ganz anderen Zusammenhang habe ich neulich ein bißchen Theorie über Gruppendynamiken wälzen müssen.  Dazu muß ich sagen, daß ich nicht so der Gruppentyp bin. Seit jeher lebe und arbeite ich besser allein. Mit punktuellen Begegnungen höchst intensiver Natur. Das dann schon. Zu meiner Verwunderung las ich also, daß es in Gruppenprozessen oft weniger um die Sache, den Gruppengrund geht, sondern vielfach einfach nur um Beziehungen. Es geht um einen diffusen Wir-Begriff, ein grundsätzlich stabilisierendes Zugehörigkeitsgefühl. Es geht um Bestätigung und Erwartungen, um die Durchsetzung von Hierarchien auch. Vielleicht geht es zusätzlich noch um die Verwirklichung von Zielen, ganz nebenbei. Letztendlich steht dann die Loslösung von der liebgewonnenen Gruppe an und zu guter Letzt möglicherweise sogar eine abschließende Einsamkeitsbewältigung.

Das alles soll so auch auf Onlinegruppierungen zutreffen, so las ich weiter.  Die Ausprägungen sind virtuell im Einzelnen zwar ein wenig anders gelagert, grundsätzlich aber besteht kaum ein Unterschied. So zumindest stand es in dem Papier.

Zunächst hat mich das überrascht. Natürlich kenne ich den Begriff Beziehung in Zusammenhang mit Freundschaften und Familien usw.  Sogar langjährige Arbeitsgruppen entwickeln solche Strukturen, werden zu einer Art Familie. Das habe ich alles schon erlebt. Und die Dynamik in Communities und Foren ist mir in meinen frühen Onlinejahren mitunter schmerzhaft bewußt (gemacht) geworden. Aber trifft das auch auf anonyme Einzelkommentatoren zu, die sich zufällig auf irgendeinem Blog versammeln?

Möglich wäre es. Zumindest stelle ich immer wieder fest, daß es den Schreckgespenstern unter den Kommentatoren weniger um Meinungsaustausch geht, als vielmehr um simple Meinungsverkündung. Bestenfalls noch um die darauffolgende Bebauchpinselung. Darüber hinaus scheint es noch überaus wichtig zu sein, andere Platt zu machen, sie in die unterste Kategorie abzuschieben. Eine Hierarchiestruktur zu etablieren also. So läuft dann so manches Kommentargeschehen – im HSB beispielsweise – im Grunde die immergleichen Kreise, solange immer dieselben Kommentatoren zugange sind. Die Argumentationstränge ähneln sich und führen dennoch zu nichts, auch auf Dauer nicht. Eben weil sie gar nicht darauf aus sind, irgendein Ergebnis zu produzieren, sondern lediglich auf eine ständige Wiederholung angelegt. Wie das mit Gefühlen so ist, manchmal. Oder eigentlich so gut wie immer.

Auch Blogs, die nicht besonders kommentargeflutet sind, werden gelegentlich von solchen emotionalen Selbstläufern heimgesucht. In meinem kleinen Privat- und Schreibblog beispielsweise tummelt sich immer wieder mal ein solches Wesen. Mit verschiedenen Allerweltsnamen versehen, kennt es dennoch nur ein Thema. Es will mir meine versammelten Unzulänglichkeiten vor Augen halten, indem es mich auf meinen altmodischen Herd, meine unmögliche Wohngegend und sämtliche sonstige Blödheiten hinweist, die es an mir vermutet. Derer gibt es ohne Frage etliche. Und das Ganze ist auch durchaus nicht unelegant vorgetragen und vor allem mit einem unheimlichen Durchhaltevermögen durchgeführt. Das muß ich schon sagen. Ich lese das auch immer mit Interesse. Zum Beispiel ist erkennbar, daß dieses Wesen sich im Internet über mich informiert hat. Soweit das eben geht. Viel ist es nicht, was man dort in Erfahrung bringen kann. Vorwiegend Äußerlichkeiten und Eckdaten, die über mich als Mensch nicht allzuviel aussagen. Eigentlich weiß das doch jeder, denke ich immer. Aber mein persönliches Kommentarwesen bleibt eisern bei der Stange. Seit Jahren jetzt schon.

Natürlich antworte ich nicht auf diese Kommentare, schon lange nicht mehr.  Ich bin auch kein Niggemeier, daß ich mir nun die Mühe machen würde, das alles aufzulisten. Nicht einmal jetzt, hier, an dieser Stelle, wo ich ausnahmsweise einmal darüber schreibe. Das ist mir alles viel zuviel Aufwand. Ich erinnere  mich aber noch gut, wie das alles anfing, damals. Wie sehr es mich irritiert hat, ja, emotional gepackt, weil ich es zunächst doch ernst genommen hatte. Und persönlich. Das war keine gute Idee. Das kostet Kraft. Und ist sinnlos.

Heute lese ich das nur und vergesse es dann wieder. Besonders jetzt, wo ich spitz habe, das so etwas mitunter einfach nur eine mehr als simple emotionale Absicht verfolgt. Seitdem geht das schlicht an mir vorbei.

Der Spielraum des Alltäglichen

Sonntag, 29. August 2010

Sprache lebt von Interpretation, das ist nichts Neues. Verstehen und Verständnis geschieht im Kopf, nicht auf dem Papier. Mit Erzähltem verhält es sich ebenso, außerdem kommt nahezu zwingend noch die Projektion hinzu, das Hineininterpretieren. Die Leerstellen zwischen den Worten, den Buchstaben, dem Schwarzen auf dem Weißen werden vom Leser nach Möglichkeit ausgefüllt. Auf die eine oder die andere Weise, durch Phantasie und eigene Erfahrung, und es ist noch viel mehr, das in einen Text mit hineinspielt. Das ist ein wesentlicher Teil von Literatur, nur deshalb funktioniert sie. Weil fast alles möglich ist, zwischen den Zeilen. Das ist es schließlich, was Spannung erzeugt, das ist das A und O, um durch eine simple Erzählung andere Welten zu betreten. Fiktive oder eine reale, ganz egal. So werden Kinder gebannt, zuerst durch die Geschichten, die ihnen zur Nacht erzählt werden, dann durch die Bilder und Buchstaben in den Büchern. Ich erinnere mich gut an die unendliche Kraft, die darin liegt.

Der Umgang mit diesen unausgefüllten Weiten ist etwas Wunderbares, will aber auch gelernt sein. Begönne ich eine Geschichte mit folgenden Worten:

Ich erinnere mich nicht, als Kind irgendwann geschlafen zu haben. Ich erinnere mich an dunkle Nächte und tiefes Schweigen, das mich umgab. Bis schließlich der Morgen mich erlöste. Jeden Tag aufs Neue.

Dann wäre das nicht nur recht kitschig, es wüßte vor allem so gut wie jeder, daß eine biologische Unmöglichkeit behauptet wird. Kein Mensch kann über Jahre hinweg nicht schlafen, es muß also etwas anderes gemeint sein. Womöglich irrt sich dieses Ich und gibt eine durch Erinnerungsprozesse verzerrte Wirklichkeit wieder. Oder das Ich weiß sehr wohl, daß es eine solche Schlaflosigkeit niemals überlebt hätte, versucht aber auf die Art, seine damals katastrophale Lage zu umschreiben. Indem es das Stilmittel der Übertreibung wählt. Das ist das Naheliegende, es gibt darüber hinaus aber noch sehr viele andere Möglichkeiten. Denkbar wäre zum Beispiel, daß das Ich kein Mensch ist und deshalb nicht schlafen muß. Es könnte ein Außerirdischer sein oder eine denkende und empfindende Maschine, ein Android vielleicht. Es könnte sich auch um einen Toten handeln, wer weiß schon, ob Tote schlafen müssen oder überhaupt können. Oder aber es ist ein Mensch, der offenbar sein Leben lang schon an einer unbekannten Krankheit leidet, die ihn nicht schlafen, aber auch nicht daran sterben läßt. Schon als Kind war er daher einem beständigen Forschungsdruck ausgesetzt, einem andauernden Suchen und Herumbasteln an seinem Körper, von dem er nun zu berichten trachtet. Und von seiner lebenslangen  Sehnsucht nach Schlaf.

Im Netz und in Blogs, das gebe ich zu, geht es auf den ersten Blick eher weniger um die phantastischen Möglichkeiten des Erzählens, zumindest die gängigen Hitlisten werden von journalistischen und publizistischen Themen oder Produkt-PR im weitesten Sinn beherrscht. Und damit überwiegend von Männern, was neulich von Katrin Strohmaier in der taz thematisiert wurde.  Die kleinen und großen Geschichten, die Tagebücher des Alltäglichen existieren aber ebenso. Sie sind vermutlich sogar zahlreicher. Und sie sind es wert, gelesen zu werden. Mehr noch, auf lange Sicht sind sie für mich spannender als die unzähligen Debatten, Analysen und Streitereien, die sich doch immer nur wiederholen.

Beim Tagebuchschreiben kommt es nicht unbedingt auf sprachliche Brillanz an, wie es ja gerne gefordert wird, und schon gar nicht auf eine publizistische Relevanz. Manche Tagebuchblogger schreiben runde, fertige Geschichten, das stimmt. Andere mäandern durch ihre Welt, setzen willkürlich Punkte, mal hier und mal da. Die Wichtigkeit wechselt, wie es im Leben so ist. Am nächsten Tag schon kann alles ganz anders aussehen, Weltsicht und Stil, Thematik sowieso. Es gibt auch Tagebuchschreiber, die nur Listen veröffentlichen, Essenszeiten, Arbeitsstunden und Körpergewicht vielleicht. Na und? Auch das ist gut so. Übrigens sollen das schon berühmte Dichter nicht viel anders gehalten haben. Das aus dem persönlichen Alltag resultierende Tagebuch ist häufig ein Schnellschuß, in ein paar Minuten heruntergeschrieben und drei Tage später schon vergessen und verworfen. Eine Erleichterung vielleicht, eine Stoffsammlung, erste Versuche im Steinbruch der Zeit. Ein Ansatz, mehr nicht, in dem mit ein wenig Glück ein Freischreiben geschieht, für die, die irgendwo im Hintergrund weiter daran arbeiten mögen. Oder auch nicht, wer weiß das schon? Womöglich dient es auch einfach nur der Analyse, der Selbstbespiegelung und die selbstgewählte Öffentlichkeit dient dabei als innerer Regulator. Warum denn nicht?

Gefaßt sein sollte man lediglich darauf, daß es Mißverständnisse geben wird. Immer, egal in welchem Bereich man sich schreibend bewegt. Das ist die Kehrseite von Sprache, dieser Medaille, in der sich die unterschiedlichsten Projektionen spiegeln. Ganz besonders gilt das natürlich für das Alltagsbloggen, das – bewußt oder unbewußt – weit mehr als alle anderen Formen auf der vollen Bandbreite des Interpretationsspektrums spielt. Nicht nur die grundsätzliche Frage nach Wahrheit oder Lüge stellt sich hier, vor allem stößt man häufig auf Wertungen, manchmal sogar auf – bewußte oder unbewußte – Abwertungen. Außerdem kommt es natürlich vor, daß im Rahmen der interpretatorischen Möglichkeiten jemand den Text nicht nur mißversteht, sondern schlicht und einfach Mist versteht. Damit muß man als Autor in der Öffentlichkeit leben, ohne groß Fragen zu stellen. So schwer ist das allerdings nicht.

Was tun bei Contentklau?

Montag, 31. Mai 2010

Um eines einmal klarzustellen: das Internet ist nicht wirklich umsonst, allein der Zugang kostet. Geld und Energie, noch einiges mehr. Und auch alle Bilder, alle Texte und was es sonst noch im Internet gibt, gehört irgendwem. Oder anders gesagt: es steht – meistens – nicht zur freien Verfügung.

Richtig herumgesprochen hat sich das aber noch nicht, so scheint es zumindest. Man sollte doch meinen, daß wenigstens eine Nachfrage angesagt wäre, wenn ein Element von einer anderen Seite benutzt werden soll. Auch, wenn es sich um eine rein private Seiten handelt.

Wie also damit umgehen, wenn einem genau das passiert? Wenn die eigenen Texte oder Bilder auf einmal ungefragt ganz woanders auftauchen? Möglichkeiten gibt es viele, angefangen von einer Abmahnung durch einen gewitzen Anwalt, über das Erstellen einer saftigen Rechnung, bis hin zu einem persönlichen Hinweis verbunden mit der Bitte um Entfernen des fremden Materials.

Auch ein guter Weg ist es offensichtlich, mit dem Finger darauf zu zeigen. So geschehen in den letzten Tagen im wilden Gartenblog. Zunächst wurde eine ausführliche Darstellung veröffentlicht, bereits zwei Tage später hatte sich die Sache dann erledigt. Oder die Karawane ist weitergezogen, hat sich ein neues Spielfeld gesucht. Bis das Gerangel wiederum entdeckt und auf die eine oder andere Art ausgeschaltet wird.

Ein ziemlich blödes, zeitraubendes Getue.

Law & Disorder

Mittwoch, 17. März 2010

Felix hat auf seinem Blog wirres.net eine hübsche Zusammenstellung von Internetgesetzen veröffentlicht, die insbesondere in Diskussionen in Kraft treten. Sehr spannend, wenn auch vielleicht ein wenig lang. Und weiteres Wachstum der Liste ist ja durchaus zu erwarten. Im Zusammenhang mit meiner frustgeprägten Auseinandersetzung mit dem Kommentargeschehen (insbesondere im HSB), kam mir aber dennoch vieles ziemlich bekannt und auch erhellend vor.

Besonders zutreffend erscheint mir Nummer 59: Nach der Erfüllung eines der Usenet-Laws ist die Diskussion beendet. Wer dennoch weiterdiskutiert, hat es nur noch nicht gemerkt.

Gänzlich unverständlich hingegen ist mir Nummer 24: Sobald sich in einem Thread ein weiblicher Poster zu Wort meldet, hat dieser automatisch die ganze Aufmerksamkeit der Newsgroup, was den Tod des urprünglichen Themas mit sich zieht.

Da behaupte noch einmal jemand, das Internet sei nicht vorwiegend männlich geprägt.

Neues von den Tagebuchbloggern

Freitag, 5. März 2010

Mek Wito und Melancholie Modeste, die beiden Veteranen auf dem Gebiet, sind beide, mehr oder weniger sporadisch, fleißig dabei. Gleiches läßt sich für die Kaltmamsell sagen, dazu ist ihr Journal in letzter Zeit erschreckend vollständig.

Lisa Neun, ganz frisch in der Riege, hat als Zeichnerin selbstverständlich einen eigenen Weg gefunden: ihr Tagebuch erscheint als Comic. Und Franziscript, immerhin, hat neulich via Twitter ihren Einstieg ins Tagebuchbloggen angekündigt. Also abwarten.

Nachtrag: Anke Gröner, hab ich bislang völlig übersehen.

Die Krux mit den Kommentaren

Montag, 22. Februar 2010

Eine der herausragenden Funktionen von Blogs ist die Kommentarfunktion. Man könnte sagen, daß es sich um ein absolutes Alleinstellungsmerkmal handelt. Kommentare sind das Ende der publizistischen Einbahnstraße, sie bedeuten Reflektion und Austausch. Im besten Fall.

Vor Jahren, als ich mein erstes „Blog“ noch handgestrickt und per FTP hochgeladen habe, gab es dort aus technischen Gründen keine Möglichkeit zur Kommentarabgabe. (Besser nicht fragen, warum. Meine damalige technische Unzulänglichkeit ist mir heute ein kleines bißchen peinlich. Meine heutige allerdings meistens auch, das wird wohl immer so bleiben.) Vor allem, weil es keine Kommentarfunktion gab, habe ich irgendwann angefangen, mich nach einer Lösung umzusehen. Zunächst bin ich zu Twoday gewechselt, kurz darauf dann auf eine eigene Domain. Kommentare waren und sind mir einfach wichtig.

Im besten Fall kommen auf Basis der Kommentarfunktion Begegnungen und Bekanntschaften zustande, mitunter sogar Freundschaften. Auch fein ist ein intensiver Austausch, Ideen und Informationen können auf der Basis entwickelt werden. Ärgerlich sind Spamattacken und richtig nervig, wenn man sich einen hartnäckigen, womöglich auch noch bösartigen Troll eingefangen hat. Das alles ist jedoch noch harmlos.

Die rechtliche Lage ist – grob gesagt und ohne rechtsverbindlichen Anspruch – eindeutig: Niemand darf auf meinen Seiten Unsinn in den Kommentaren hinterlassen. Das gilt vor allem für rechtwidrige Links, nicht jugendfreie Werbung und Ignorieren des Urheberrechts. Selbstverständlich möchte auch kaum jemand sonstige Werbung ungefragt dort beherbergen. Außerdem dürfen keinerlei Beleidigungen oder Verunglimpfungen dort veröffentlicht sein, ganz egal, wer damit gemeint sein könnte. Also keine öffentliche oder private Person oder auch nur ein Nutzernick darf dort beschimpft werden. Und es gibt sicherlich noch einiges mehr, auf das man in dem Zusammenhang zu achten hat.

Im Klartext bedeutet das: Kommentare müssen zwingend überwacht werden. Im Zweifel einfach von Herzen löschen. Besser ist besser.

Richtig übel wird das allerdings bei Blogs mit Magazincharakter. Solche Blogs werden häufig mit den gängigen Nachrichtenportalen verwechselt und haben daher mit denselben Schwierigkeiten zu kämpfen, wie sie auch auf eben diesen professionell aufgezogenen Seiten auftreten. Mit dem Unterschied, daß der damit verbundene Arbeitsaufwand von einem einzelnen Blogger oder auch einem Bloggerkolletiv kaum geleistet werden kann.

Das Hauptstadtblog beispielsweise zieht seit jeher eine zwar recht kleine, aber doch höchst aktive Schar von Stammkommentatoren an. Das erhöht zwar die Diskussionsquantität, damit jedoch nicht zwingend auch die Diskussionsqualität. Meistens geschieht das Gegenteil und jeder einzelne Beitrag wird, ganz und gar unabhängig vom vorgegebenen Thema des Beitrags, für den immergleichen Streit genutzt. Darüber hinaus werden alle Versuche, dieses Gehampel möglichst zu unterbinden, gerne auf eine Metaebene gehoben und ebenfalls immer und immer wieder in den Niederungen der Kommentaren durchgekaut.

In dieser Situation hilft oft nur noch, die Kommentare für eine Weile ganz abzuschalten, um das Getrolle grundsätzlich auszuhungern. Nicht schön, aber es bringt eine beinah göttliche Ruhe in das Geschehen. Und natürlich die Diskussion, ob ein Blog ohne Kommentare denn überhaupt ein Blog ist.

Einmal haben wir das im HSB schon gemacht, und heute bin ich fast wieder soweit. Nachdem einer unserer Oberspaßmacher sich gegen Mittag eine Weile lang amüsiert hat, indem er im Minutentakt etliche Zitate in lateinischer Sprache unter diverse Beiträge postete. Was ich dann, als Nichtlateinerin, dennoch auf Inhalt zu prüfen hatte. Das geht nicht anders, das muß einfach sein. Ganz besonders bei den ohnehin blogbekannten Querulanten.

Doch an einem gewissen Punkt ist auch damit einfach Schluß. Da vergeht mir jegliche Lust, und zwar exakt in dem Moment, in dem das Ganze zu einem Machtspiel wird. Wenn es nicht mehr darum geht, etwas Bestimmtes zu sagen, sondern nur noch darum, überhaupt irgend etwas zu sagen. Gegen die putative Macht des Blogbetreibers. Wie ein kleiner Junge in der Warumphase, auch wenn es sich in dem Fall wohl eher um eine Darumphase handelt. Eine Guerillataktik im Grunde.

Doch es sind die vermeintlich Ohnmächtigen, die eine solche Gesamtlage beherrschen. Das ist lächerlich, aber es ist so. Und es hilft einfach nichts, nur die vollständige Verweigerung.

Privat

Sonntag, 1. November 2009

Ein wenig habe ich das Tagebuchbloggen aus den Augen verloren. Obwohl es natürlich in Blogs immer irgendwie da ist, auch wenn es nicht ausdrücklich postuliert wird. Obwohl ich selbst gerade sehr privat und dementsprechend hermetisch meine Tage begehen. Manchmal auch nur splitterhaft. Mehr funktioniert nicht in dieser Art von Öffentlichkeit. Zumindest für mich nicht.

Mek erinnert mich nun daran und legt wieder los mit dem Tagebuchbloggen. Superlangweilig? Nein, gar nicht.

Taking it easy

Sonntag, 27. September 2009

Irgendwo und überall in den Weiten des Netzes schneiden sich die Twitter-Timelines, jederzeit und immerzu. Das ist unausweichlich und gerade jetzt besonders präsent. Schließlich geht soeben die Bundestagswahl 2009 in die letzte Stunde, anschließend beginnt unmittelbar das Gezeter und Gerede. Und wir sind nicht nur live dabei, wir schnattern fleißig mit. Unsinn wird publiziert und gleich wieder dementiert, sinnlos bürokratisierte Demokratiemoral wird in die Welt gewünscht und Wahlverhalten basisnah analysiert. Gottessuche im Laptop, ein amüsanter Zeitvertreib.

Stimmt ja auch, manchmal. Aber grundsätzlich bin ich dafür zu lahm, das stelle ich mehr und mehr fest. Ich bin denkbar ungeeignet für das schnelle Wort, rechtzeitig und punktgenau in Umlauf gebracht. Da bin ich wie Lobo, da habe ich eindeutig viel zuviel „keine Ahnung“ von. Zu sehen ist das nicht zuletzt an diesem Blog. So ungefähr einmal im Monat komme ich dazu, einen Beitrag zu schreiben. Und das, obwohl etliche Themen darauf warten, bearbeitet zu werden.

Es hilft nichts, hiermit bekenne ich mich offiziell zum slow blogging. Wobei ich ursprünglich der Auffassung war, daß diese Vorstellung auf meinem Mist gewachsen sein könnte und daher auch von mir ausformuliert werden müsse. Dem ist aber nicht so, wie mir google schnell klargemacht hat. Ich bin wieder einmal so ungefähr ein Jahr zu spät. Es existiert sogar ein von Todd Sieling formuliertes Manifesto. (Übersetzung von Jürgen Kummer)

An dem werde ich mich dann wohl in nächster Zeit abarbeiten. Schließlich heißt es da:

What’s yours? What makes you want to feel alright about doing things at their own pace? What is the anthem for your slow movement on the web, why do you swim against the flow of fastness?

Also: Nächsten Monat vielleicht. Oder sonst irgendwann. Wenn mir danach ist.

Alle Tage?

Samstag, 6. Juni 2009

So richtig echtes Tagebuchbloggen gibt es bei mir übrigens nicht. Es gibt die Rubrik, bzw. Disziplin, alle tage, in der etwas ähnliches passiert. Das immerhin schon seit langem, im Grunde von Anfang an. Derzeit ist es die Disziplin mit den meisten Beiträgen, etwas über 1000. Das soll aber nichts heißen, das sind zum Teil nur hermetische Fetzen. Ungestaltet, ungepflegt. Zu mehr reicht es oft nicht.

Tagebuchbloggen in Meisterschaft dagegen kann man im Logbuch des Schriftstellwerks lesen. Nicht immer, das sollte man bedenken. Manchmal verschwindet es einfach, wortlos, wird geleert und über schmerzhaft lange Zeit nicht mehr gefüllt. Nicht einmal das Gedächtnis bleibt, das Archiv. Das ist schlimm, aber es ist so.

Denn so sind sie, die Katzen. Sie kommen und gehen, wie sie wollen. Und man darf sie nicht vermissen, schon gar nicht zwingen. Man darf sich nur glücklich schätzen, wenn sie – freiwillig – für eine Weile zu Besuch kommen.