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Das Netz ist ein Chaos

Samstag, 30. April 2011

Heute mal eine Platitüde, kurz und schmerzlos. Mir ist so danach, aus Gründen. (Die aber im einzelnen hier nichts zu suchen haben. ;)

Im Netz findet viel Geschwätz statt, keine Frage. Doch es gibt auch echte und sogar tiefe Kommunikation, es gibt wirkliche Begegnungen. Welches von beidem man im Einzelnen  findet, hängt vermutlich mit den eigenen Erwartungen zusammen. Und mit dem, was man so in die  Suchmaschinen schreibt natürlich. Wie man in den Wald ruft, so einfach ist das.

Wie auch immer, auf eines sollte man in jedem Fall gefaßt sein: Das Netz schwätzt und kommuniziert grundsätzlich chaotisch. Ganz egal, worum es gerade geht. Grobe Grundstrukturen mag es geben, aber im Zweifel hält sich sowieso niemand daran. Oder ein einziger macht den Spagat, erfindet seine eigenen Regeln und besteht darauf. Warum auch nicht? Doch das reicht schon, um Verwirrung zu stiften, Chaos und Kreativität. Noch ist das Netz ist anarchistisch organisiert, zum Glück, wie Kommunikation übrigens auch. Da sollte man sich nichts vormachen. Das sollte man genießen.

Mehr noch, man sollte es fördern und nutzen. Denn das ist gut so, finde ich. Tatsächlich! Ich, die ich überall für meine penible Ordnung bekannt bin. Ganz und gar untypisch für den gemeinen Netzbewohner, ich weiß. Aber ich meine das Ernst, jawohl. Und ich finde auch, daß sich das so leicht nicht wird abschaffen lassen. Wegen der Kommunikation eben, wegen der Sprache, die ganz genau so funktioniert.

Privatheit 2.0

Sonntag, 30. Januar 2011

Eine der ersten Definitionen, die ich zu dem Begriff Web 2.0 hörte, lautete in etwa so: Das ist, wenn andere sehen können, was ich gerade für Musik höre, wenn sie die dann auch hören können und überhaupt immer wissen, was ich gerade so mache. Das muß ungefähr 2006 gewesen sein, zu der Zeit befand ich mich bereits seit vier Jahren in diesem Netz, war bereits tief verstrickt und keinesfalls nur passive Nutzerin. Im Gegenteil, StudentInnencommunities und Foren hatte ich schnell hinter mich gebracht und führte bereits  mehrere Blogs und nahm auch an anderen aktiv teil. Nachdem ich 2004 nach Berlin gegangen bin, setzte sich mein neuer Freundeskreis zunächst vorwiegend aus anderen Bloggern zusammen, vorwiegend auch irgendwie literarisch angehauchten Bloggern. Nach ein paar Monaten bereits feierte ich meinen ersten Geburtstag in der neuen Stadt nicht allein, sondern mit etlichen, ganz neuen Menschen. Ich bin in so etwas sonst nicht so schnell, aber es ist überraschend. Blogger treffen kann ganz einfach sein. Man hat sich auf jeden Fall etwas zu erzählen, muß die Themengebiete nicht erst abstecken, und hat sich auf jeden Fall etwas zu sagen. Von da aus kann es dann ganz leicht sein.

Diese frühe Erklärung des Web 2.0 hat mich dennoch überrascht und irritiert. Beinah sogar ein wenig erschrocken, damals schon. Die Vorstellung, daß jeder X-bliebige mich dabei beobachten könnte, wie ich Musik höre, lese und schreibe, vielleicht sogar esse oder schlafe und dabei träume, war mir spontan zuwider. Ich möchte nicht, daß alle Welt wissen kann, welches Lied ich gerade siebzehn Mal am Tag hören will, muß oder mag. Bis heute nehme ich an solchen Angeboten kaum aktiv teil, obwohl ich hier und mal meine Nase hineingesteckt habe. Nur um immer wieder festzustellen, daß es für mich nicht funktioniert. Nein, ich möchte insbesondere nicht, daß die, die ich persönlich kenne, genau das wissen. Sie sollen nicht sehen, wann ich was auf meinem Rechner tue. Niemand soll meine Launen und Irrtümer beobachten, meine vielen hilflosen Versuche. Das geht einfach nicht, in mir ist da sofort das Gefühl von unmittelbarer Gefahr.

Das mag übertrieben erscheinen, zumal wenn es theatralisch gleich auf die ganze Welt bezogen ist. Diese Welt will mir nichts, ich weiß. Außerdem sind insbesondere die Netzwelten längst nicht so groß, wie sie manchmal erscheinen mögen, wenn man sich in ihnen bewegt. Die technische Umsetzbarkeit hingegen, so vermute ich, dürfte in den meisten Fällen längst gegeben sein. Hacker hacken alles, oder? Und es reicht ein Einzelner, der in meine Welt hineinkriecht, sich dort umsieht und die Dinge, die er findet kopiert und benutzt. Für seine Zwecke, was auch immer die sein mögen. So etwas vernichtet mit Leichtigkeit, das weiß ich aus der realen Welt.

Ich habe den Vorteil wie auch das Pech, mich erinnern zu können, jederzeit, an eine ganz persönliche Welt mit einem beständigen Zuviel an Enge und Wissen übereinander, lange vor den digitalen Möglichkeiten heute. Ich erinnere mich gut an die verzweifelte Qual, irgendwie bedeckt halten zu wollen, was mir gehört, damit es nicht benutzt wird. Nicht gegen mich eingesetzt. Und überhaupt, damit es mir nicht verloren geht. Damit ich selbst mir nicht verloren gehe. Etwas, an dem ich gescheitert bin, zwangsläufig, ich weiß nicht wie oft. Die Bücher, das ich las, die Filme, die ich sah und Musik, die ich hörte. Das alles hat mich verraten und wurde gegen mich eingesetzt, immer und immer wieder. Es hat mir die Träume und das Leben zerrieben, das war ein leichtes Spiel. Menschen zu demütigen und zu demontieren ist ganz einfach, wenn man in ihr Leben hineinsehen kann. Dann kann man auch in sie hineingreifen, kann sie innerlich verdrehen, verletzen, vernichten. Ich mag mir gar nicht vorstellen, welche Auswirkungen ein systematisches, institutionalisiertes Vorgehen dieser Art haben mag. Das ist es, woran ich denken muß, wenn ich von dieser neuen Postprivatheit höre oder lese. Auch die heimliche Freude daran bleibt mir ein Rätsel. Oder ist es Hoffnung?

Hoffnung ist doch immer noch das grausamste aller Tiere.

Dennoch schreibe ich öffentlich in Netz, nicht nur hier, auch auf vielen anderen Seiten. Mein Kram ist jederzeit für alle zugänglich, und das ist gut so. Das ist Absicht. Ich bin ganz sicher keine Verfechterin der deutschen Streetviewverpixelung, das kommt mir eher dämlich vor. Und ich habe keine Angst vor Kontrollverlust. Weil  ich weiß, daß ich noch nie irgendeine Art von Kontrolle hatte. Kontrolle ist eine Illusion, das ist meine Erfahrung.

Natürlich tue ich trotzdem so als ob, anders werden natürliche Grenzen nicht eingehalten, bzw. gar nicht erst entwickelt. Gerade jetzt, wo im Netz Häme und Verachtung immer weiter zuzunehmen scheinen. Neben dem seit langem üblichen Getrolle und Gestalke sieht es inzwischen ziemlich danach aus, daß sich eine Mehrklassennetzgesellschaft ausbildet, in der die absoluten Auskenner und Durchdenker denen, die sich erstmal ein bißchen umschauen, noch üben oder einfach nur etwas anderes anstreben oder sind, das Recht zur Mitgestaltung grundlegend absprechen wollen.

Wobei ich doch immer noch schwer annehme, daß das ein falscher Eindruck ist. Vielleicht auch ein Mißverständnis. Oder einfach nur Illusion, wie alles im Netz.

dazwischen

Freitag, 31. Dezember 2010

Heute wechselt zunächst einmal das Jahr. Das heißt, eigentlich natürlich erst morgen. Noch genauer genommen irgendwie dazwischen, in der Zeit, die keine ist. Da geschehen die Veränderungen. Das ist der Ort. Der Ort, der keiner ist.

Auch hier wird sich demnächst etwas ändern, das steht seit ein paar Wochen fest. Nicht gleich morgen, das wäre zuviel verlangt von einer alten Slow-Bloggerin, wie ich es bin. Und auch bleiben werde. Aber irgendwann im Laufe des Jahres sollte es soweit sein. Vielleicht wird es einen Umzug geben, das steht noch nicht genau fest. Auf jeden Fall gibt es eine Erweiterung, wenn alles gut geht womöglich schon im Frühjahr. Der Frühling ist schließlich eine gute Zeit für etwas Neues.

Schauen Sie mal.

Selber schuld

Mittwoch, 30. Juni 2010

… wenn du Trolle fütterst.
… wenn du das nicht verstehst.
… wenn du glaubst, was der schreibt.
… wenn ich dich  verarsche und vorführe.
… wenn du alles ernst nimmt, was ich sage.
… wenn du technisch nicht auf der Höhe bist.
… wenn du dich im Netz nicht zurecht findest.
… wenn ich deshalb in deinen Raum eindringen kann.
… wenn du nicht bist wie ich, so vollvernetzt und verpeilt.

So oder so ähnlich klingt es mir in letzter Zeit immer wieder nachhaltig in den Ohren, dieses Selber-Schuld-Netz, dessen Existenz mir – spät, aber immerhin – erst bei der letzten re:publica so richtig bewußt wurde. Diese Proll-Troll-Natur, jenseits aller Menschlichkeit und Konstruktivität, die sich keine eigenen Räume kreiert, sondern rücksichtslos fremde Räume zu fluten oder auszubrennen trachtet, je nach dem.

Es ist das Gegenteil von Netz, von Freiheit auch und Respekt, im Netz oder sonstwo, das sich darüber hinaus auch noch zum eigentlichen Netz erklärt. Oder zum Zwischennetz, zum Abschaum. Oder zu Experten, warum auch immer. Lies erst mal das, denk erst mal jenes. Und komm dann wieder und trau dich, etwas zu sagen. Dann werden wir sehen, ob  du es verstanden hast. Oder ob du unser „Opfer“ bleibst.

Schuld, jaja. Das ist das einfachste Prinzip, um Verantwortung zu vermeiden. Um die Dinge, die man anrichtet, ob nun absichtlich oder nicht, auf andere abzuwälzen. Auf die Opfer, versteht sich, die (vermeintlich) Schwächeren. Die, die nicht verstehen, die sich nicht auskennen, die sich (noch) keinen Überblick verschaffen konnten. Die, die ich zu „Opfern“ mache. Das ist der leichteste Weg, aber das sagte ich bereits. Geschwätz, Häme und Hybris helfen ebenfalls, soweit ich das erkennen kann. Neben den bereits erwähnten selbstkonstruierten Strukturen natürlich. Gedankenschranken, die niemandem kontrollfreien Zugang gewähren.

Dieses Netz ist ein Unsinnsnetz. Es tut nur weh, ohne Sinn und Zweck. Aber es wird niemals ernst und tief. Es ist nicht wichtig und kann es so auch nicht werden. Denn niemand muß sich jemals entscheiden, nicht wirklich. Alles könnte ja auch ganz anders gemeint gewesen sein, von Anfang an. Das ist der beste Trick überhaupt, der funktioniert sowieso.

Selber schuld also, wenn du das nicht verstehst. Alles schwimmt und schwappt, wohin auch immer. So geht das Spiel. Verstehst du?

Andererseits: Schwamm drüber. Auf die Art entsteht eh nix! Also, keine Gefahr.

Technikgeschwätz

Donnerstag, 21. August 2008

Jaja, die liebe Technik. Das war nun wirklich nicht meine Absicht, hier wieder und wieder über Technikkram zu referieren. Ganz im Gegenteil, das sollte mehr so am Rande behandelt werden. Nur hin und wieder mal, allerhöchstens. Also, wenn es sich absolut nicht vermeiden läßt. Genau so eben, wie ich es im wahren Leben auch damit halte.

Hat nicht geklappt, tut mir leid. Aber bei solchen Themen gibt immer eines das andere. Das ufert dann aus, beinah zwangsläufig.

Dabei bin ich bin ja nun wirklich nicht eine ausgewiesene Koryphäe auf dem Gebiet. Aus manchen Bereichen, wie zum Beispiel dem  Einbinden von Filmchen, das längst Gang und Gäbe ist, halte ich mich weitgehend heraus. Schlicht und einfach, weil ich auf das technische Rätselraten, das mir dann blüht, derzeit nicht die geringste Lust habe. Außerdem bin ich Schreiberin, da sind Bilder und Filmchen ohnehin zweitrangig.

Allgemein sollte man sich übrigens nichts vormachen lassen. Alle, ob Blogger oder nicht, die auf diesem Gebiet über Technik schwätzen, kommunizieren oft nur den eigenen Salat, in dem sie gerade herumstaken. Ganz egal auf welchem Niveau. Wieviel Wissen, Halb- oder gar Unwissen dahintersteckt, unterscheidet sich im Einzelfall erheblich. Aber, was solls. Irgendwie läßt sich alles herauskriegen. Und irgendwie weiß auch immer irgendwer ein Stückchen weiter.

Und ich finde ganz sicher bald zurück zu meinem eigentlichen Thema, dem Schreiben. Versprochen.

Korrekturen

Sonntag, 3. August 2008

Einfach genial, nach der Veröffentlichung noch Verbesserungen und sogar großflächige Veränderungen vornehmen zu können. Stimmt’s? In Blogs sind Tipfehler nahezu unerheblich, egal wie peinlich sie auch sein mögen. Man muß nicht bis zur nächsten Auflage warten, um diese auszumerzen. Das geht unmittelbar, ohne großen Aufwand, und keiner hat’s gesehen.

Stimmt nicht. RSS-Feeds und Trackbacks spielen dieses Spiel nicht mit, sie werfen stets für eine Weile die ursprüngliche Version aus. Das bleibt also erst mal so, selbst wenn der Link natürlich sofort auf die geänderte Fassung verweist. Das Original ist ja bearbeitet und unter derselben URL frisch abgespeichert. Was vorher war, existiert nicht mehr. Außer eben hier und da und dort, vielleicht. Sich darüber einen genauen Überblick zu verschaffen, ist so gut wie unmöglich.

Dementsprechend ist nicht nur auf Papier, sondern auch in Blogs eine solide Korrekturdisziplin durchaus angebracht. Insbesondere bei Überschriften und Anfängen, denn die werden immer in der ersten Version übernommen. Aber auch großflächige Bearbeitungen sollte man sich besser verkneifen. Wer weiß schon, wer in einer noch so kurzen Überarbeitungszeit nicht alles schon zum Lesen vorbeigekommen ist. Insbesondere Feed-Abonnenten sind manchmal sehr schnell. Tip- und Schreibfehler hingegen sind jederzeit zu korrigieren. Das kann letztendlich ja doch nicht so bleiben, und kleine Änderungen fallen normalerweise nicht weiter ins Gewicht.

Doch auch diese lassen sich minimieren, wenn man zunächst einmal ins Unreine schreibt, am besten in ein Textverarbeitungsprogramm und nicht gleich ins Netz. Noch besser ist es, eine Nacht warten und den Text danach ein letztes Mal durchgehen. Auf die Art kann kaum noch etwas schiefgehen.

Randbemerkung: Vor allem anderen schreibe ich mir das oben genannte hiermit selbst ins Gewissen. Ich bin die Überarbeiterin überhaupt. Immer noch und noch einmal schreibe ich um, ergänze und erweitere, auch lange nach der Veröffentlichung noch. Bis in die Überschriften hinein, da kenne ich nichts. In diesem Blog hier habe ich zum Beispiel seit gestern gleich zwei Überschriften geändert, eine davon komplett. Das soll man nicht tun, ich weiß. Es tut mir leid. Aber Überschriften sind manchmal so schwer zu finden.

Inzwischen stimmt aber alles. Denke ich. Auch mit diesem Post hier. Hoffentlich.

Ob ich diesen Text zunächst in ein Textverarbeitungsprogramm..? Öh, nö… Sorry. Ich gelobe Besserung.

Blogorthographie

Mittwoch, 23. Juli 2008

Am 1. August 2006 hat die langjährig verhandelte neue deutsche Rechtschreibung zu einem mehr oder weniger glücklichen Ende gefunden. In den Schulen wird seither verbindlich gelehrt, daß man Stengel mit ä und daß mit ss schreibt. Auch amtliche Schreiben werden in Zukunft wohl in dieser Art verfasst. Oder vielleicht verfaßt werden müssen, wer weiß das schon. Natürlich sind meine Übersetzungsprogramme längst auf dem neuesten Stand, ich habe mich – berufsbedingt – eingehend mit den Änderungen beschäftigt. Und zwar die ganze Zeit über, durch alle verschiedenen Zwischenreformen hindurch. Aber glasklar ist die Lage durchaus nicht. Besonders weitreichend kann die Verbindlichkeit der zu Recht umstrittenen Reform nicht genannt werden. Zum Beispiel ist das Erlassen von Hausorthographien durchaus üblich. Und erlaubt. Denn letztendlich kann und darf jeder so schreiben, wie er will. So war es übrigens immer schon.

Ich erlaube mir also, an dieser Stelle meine persönliche Blogorthographie einzuführen, die im Übrigen recht einfach ist. Es handelt sich um die traditionelle deutsche Rechtschreibung, bereichert um den einen oder anderen Tipfehler.