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Sätze bohren und Löcher bauen

Freitag, 30. August 2013

Eigentlich bin ich ja Handwerkerin, genauer gesagt Dekorateurin. Oder, wie es inzwischen ganz wunderbar heißt, Gestalterin für visuelles Marketing. Es ist nicht das erste Mal, daß ich das erwähne, aber ich tue das bestimmt nicht nur, weil ich mich ganz gern mal offensiv als Proletengesocks darstelle. (Das aber durchaus auch, das muß ich wohl zugeben.) Vor allem fällt es mir immer wieder auf, wie gut das Handwerk des Schreibens mit den vielen verschiedenen Handwerken der Dinge zusammengeht. Vielleicht ist das ja nur bei mir so, keine Ahnung. Aber selten fühle ich vollständiger und bin ich glücklicher im Leben als in Zeiten intensiven Schreibens. Außer, man drückt mir einen Hobel, eine Säge und einen Akkuschrauber in die Hand und läßt mich irgend etwas bauen.

Heute zum Beispiel habe ich sechs Löcher in die Badezimmerwand gebohrt, um zwei Regalbretter daran zu befestigen. Endlich, nach sicher sechs Wochen Verzögerung. (Ja, Prokrastination ist in jedem Gewerk ein Thema.) Sechs Löcher sind überhaupt kein Problem. Ich besitze einen Akkubohrer und eine uralte orange Schlagbohrmaschine mit dem schönen Namen »Bullcraft«, außerdem unzählige Bohreinsätze, »Böhrchen«, wie mein Opa zu sagen pflegte, diverse Dübel, Schrauben, Schraubendreher und Akkuschrauber. Alles da.

Aber Löcher in Altbauwände bohren, man weiß ja, wie sich das entwickeln kann. Es kommt vor, daß erst jede Menge Putz rieselt, vorzugsweise mindestens die Hälfte davon hinter die Tapete, dann der rote Ziegelstaub, der alles versaut, und am Ende ist das Loch faustgroß und taugt für gar nichts. Aber ich weiß natürlich, was ich tue. Es gibt richtiges und falsches Werkzeug, und es gibt das Material, was man richtig einschätzen muß. So sind die Regeln, ganz einfach.

Es kommt aber auch und vor allem auf das Zusammenspiel an. Nur einmal habe ich die Schlagbohrmaschine benutzt, der Rest ging ohne Probleme mit dem frisch geladenen Akkubohrer. In den meisten Fällen bin ich die Wand übrigens mit einem Metallbohreinsatz angegangen. Es handelt sich um eine dünne, nichttragende Zwischenwand aus einem häßlichen grauen Zeug, das als Staub scheußlich schmiert. Es darf also nicht naß werden, das geht nie wieder weg.  Blöde Sache, aber dafür ist das graue Zeug ziemlich weich. Das ist gut. Außerdem ist es natürlich immer eine gute Idee, zunächst das »Böhrchen« in einer Nummer zu klein zu benutzen, weiten kann man die Bohrstelle später immer noch. Umgekehrt dagegen sind Rettungsversuche ungleich schwerer. Zwar ist mir auch das Flickwerk unter Zuhilfenahme von Streichhölzern oder Zahnstochern geläufig, aber besser ist es allemal ohne das.

Die Regeln allerdings sind anders, soweit ich weiß.

Mit dem Schreiben ist es ähnlich. Es ist wie Löcher bohren, wie Bauen im Grunde. Es gibt viel graues Zeug und unendliche Möglichkeiten, die Dinge zusammenzubringen. Werkzeug und Material und das Zusammenspiel von beidem. Doch man muß sorgfältig wählen und abwägen, jedes Mal aufs Neue, damit die Löcher nicht versehentlich zu groß werden und es nicht an allen Ecken und Enden Putz rieselt oder anderer Dreck sich ausbreitet. Regeln sind schön und gut und wichtig. Natürlich sind sie das. Vor allem dann, wenn sie mit größtem Respekt ignoriert werden.

Wiederholungen beispielsweise sind aktuell beinah ähnlich verpönt, wie die Verwendung von Adjektiven und Adverbien es schon viel zu lange ist. Nahezu alle Adjektiven und Adverbien scheinen des Teufels. Wer aber beim Schreiben vollständig darauf verzichtet, verzichtet eben auch auf Farbe. Soviel steht fest. Und was Wiederholungen angeht, wer die grundsätzlich vermeidet, bringt sich um die Erfahrung der Variante. So einfach ist das.

Warum also nicht mal mit dem Metallbohrer in die Wand. Klappt öfter als man denkt.

Ach ja, das Bauen. Häuser und Brücken und Bücher. Mek hat neulich auf seine ganz eigene Art erwähnt, wie er diese Dinge zelebriert. Wenn ich nicht so alt wäre, wie ich nun mal alt bin, dann würde ich vielleicht über eine Umschulung nachdenken, die mich zukünftig auf Baustellen beheimaten würde. Tja, zu spät. Möglichkeiten hätte es ja gegeben, damals, vor zwanzig, fünfundzwanzig Jahren. Bleibt also nur das Schreiben und das gelegentliche Löcherbohren zum Glücklichsein.

Die Worte mit den Füßen

Dienstag, 30. April 2013

Schreiben ist eine Kunst, davon gehe ich aus. Und Kunst hat ohne jeden Zweifel etwas mit Können zu tun, wenn auch womöglich weniger mit einem Können im Sinne von Qualität. Qualität ist natürlich nicht ohne Bedeutung, dennoch steht das mitunter an zweiter Stelle. Viel häufiger geht es um schreiben können oder eben nicht schreiben können, also um Schreibblockaden. Damit wären wir bei der Arbeit, die Kunst vor allem ist.

Erfahrene Schreiber kennen das, alle: Nicht schreiben zu können ist eine Qual. Doch es erwischt jede und jeden einmal, mal länger und mal kürzer und aus den unterschiedlichsten Gründen. Der erste und beste Tip ist in dem Fall immer: Bewegung! Weg von Bildschirm, weg vom Schreibtisch, raus aus dem Zimmer, wenn es irgendwie geht. Das ist das Wenigste. Manchmal, bei den kleinen Sekundenblockaden, kann es reichen, vom Stuhl aufzustehen und sich gleich wieder hinzusetzen, um anschließend nahtlos weiterzuschreiben. Doch das zählt eigentlich nicht, das sind nur Atempausen. Kleine Hänger zwischen dem Ein- und dem Ausatmen, mehr nicht.

Wirklich belastend sind die Tage und Wochen schreibenden Schweigens, die es immer wieder zu bewältigen gilt. Und diese innere Starre wird zermürbend, wenn daraus Jahre werden, in denen wenig bis gar nichts gelingt, bei aller Anstrengung und bestem Bemühen nicht. Es ist als hätte man plötzlich keine Hände mehr, um hineinzugreifen in die Welten und Zeiten, wie sonst immer. Nichts geht mehr von selbst, alles wird zur Qual, vor allem, weil man nicht weiß, wann und ob die Schreibhände nachwachsen.

Aber dem kann vorgebeugt werden und zwar ebenfalls durch Bewegung. Manche Schreiber laufen oder schwimmen, regelmäßig, und schreiben dann Bücher über das Laufen oder das Schwimmen. Ich selbst habe im letzten Sommer angefangen, durch die Stadt zu gehen, um in Bewegung zu bleiben oder zu kommen. So genau wußte ich das selbst nicht. Davor war ich oft mit dem Fahrrad unterwegs, oder ich habe angefangen exzessiv zu bauen, vorwiegend mit Holz. Es gibt nichts Besseres als das. Nicht für mich.

Etwas anderes zu tun als nur zu schreiben, etwas mit einem anderen Gewicht, ist von unschätzbarer Bedeutung. Und zwar immer, nicht nur in Schreibkrisenzeiten, denn es treibt neue und andere Muster ins Leben und damit auch ins Schreiben. Tanzen zum Beispiel, seit Anfang des Jahres tanze ich. Ich weiß nicht, warum. Noch nicht. Es ist beinah lächerlich, das immerhin ist mir inzwischen klar. Meine Füße taugen nicht recht für diese Art der Kommunikation. Aber wer weiß, was noch? Einstweilen bleibe ich am Ball, besser gesagt bei der einen oder anderen Milonga, ganz am Rand oder mittendrin, und werde irgendwann vielleicht verstehen, was das nun wieder soll. Was mir wieder das ins Leben bringt. Oder eben auch nicht.

Leben ist Schreiben, letztendlich. Ich kann nicht anders. Aber Schreiben muß auch Leben sein.

Kurz- und Kürzestgeschichten aus 25 Jahren erschienen

Sonntag, 28. Oktober 2012

Es war eine Menge Arbeit, aber jetzt bin ich durch: mein erstes E-Book ist tatsächlich fertig. Ein wenig habe ich wohl auch getrödelt, gehadert mitunter, das gebe ich gerne zu. Aber dafür wird beim nächsten elektronischen Buch dann alles ein wenig einfacher, denke ich. Jetzt weiß ich ja, so ungefähr zumindest, wie es geht.

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Die Familie ist eine Keimzelle, die heil zu sein hat. Per Definition ist sie immer da zu finden, wo auch Kinder sind, zumindest jedoch eines. Bei der modernen Kleinfamilie handelt es sich also in ihrer kleinsten Erscheinungsform um eine Triade. Traditionell wird innerhalb der Familie die gesellschaftliche Verortung und die soziale Ausbildung der Kinder ebenso gesichert, wie sie auch für die Befriedigung der Grundbedürfnisse zuständig ist: Essen, Trinken, Schlafen, usw. Wenn alles gut läuft, wenigstens einigermaßen.

Was jedoch nicht unbedingt der Fall ist, im Grunde sogar recht selten. Familiäres Zusammenleben birgt mitunter Zündstoff in sich, der an der Oberfläche fröhlich vor sich hin flackern mag. Tief innen, an der der Keimzelle des Übels jedoch lodert es über Jahre und Jahrzehnte. Und es sind die Kinder, die dabei ausgebrannt werden.

Was also geschieht mit ihnen, den Kleinsten im Familienspiel? Wie werden sie größer, was wird aus ihnen? Wie werden sie groß? Was werden sie sein, sein können, wenn sie selbst erwachsen sind? Wie stehen sie zu und in der Welt, nachdem sie den Flammen entkommen sind? Wie auch immer. Und was wird aus den Eltern, wenn die Flammen erloschen, das Familienfeuer endgültig ausgebrannt ist? Weil die Kinder nicht mehr zur Verfügung stehen, um es zu befeuern.

Das ungefähr ist es, worum es in dem Buch geht. Keine leichte Kost, das ist wahr. Aber wahr ist es. Wie sicher viele Menschen wissen, die selbst einmal Kinder waren. Auf die eine oder andere Art.

Außerdem ist es ein gutes Gefühl, auf die Art etwas abschließen und quasi in die Lesewelt entlassen zu können. So sehr ich mich als AutorIn auch dagegen sträuben mag: Schreibend bin ich doch immer irgendwie beteiligt, wenn auch meist ganz anders als angenommen. Selten geht es um belastbare Daten und Fakten der sogenannten realen Welt. Und doch ist jeder Text immer auch ganz persönlich, mal mehr und mal weniger. Allein die Zeit, die ich damit verbracht habe. In jeder Hinsicht eine große Anstrengung, eine Freude und ein Privileg.

Danke!

Das flüchtige Ich

Freitag, 31. August 2012

Schon einige Male habe ich mich in diesem Blog mit dem Ich beschäftigt, das bleibt beim Schreiben über das Schreiben zwangsläufig nicht aus. Welche Rolle beispielsweise kann das Ich beim autobiographischen Schreiben spielen, welche wird es spielen oder gar spielen müssen. Und wie sieht es mit dem real vorhandenen Ich aus,  das – wenn alles gut ist und das ist es –  meine Person ausmacht und meinen Alltag strukturiert.

Das Ich also ist immer ein Thema, im Leben wie im Schreiben. Was aber ist dieses Ich. Zur Zeit sitze ich gerade wieder einmal grübelnd davor. Dieses Ich, das ich bin. Oder auch nicht. Was zum Teufel soll das eigentlich? Und was um Himmels Willen will es von mir? Es macht mich mehr als  ratlos, das muß ich zugeben. Es reißt mich aus meiner Zeit derzeit, und es zerreißt mich dabei fast. Ich denke darüber nach, seit Tagen schon, ohne bislang einen tragfähigen Anfang gefunden zu haben. Einen, von dem aus ich mir dieses Ich aufschlüsseln, seine Handlungs- und Funktionsweise erklären könnte. Doch es hilft nichts, es mag sich mir nicht recht erklären.

Vermutlich ist es mein schreibendes Ich, das gerade derart mit mir herumturnt, denn eines scheint inzwischen klar. Dieses Ich, mit dem ich zusammenarbeite, ist nicht wirklich stabil. Es ist in sich flüchtig, jederzeit wandelbar und damit vor allem eines: Es ist immer offen. Und damit ist es genau so, wie ich es zum Schreiben brauche. Mein Alltag allerdings zerbröselt dabei ziemlich, und ich weiß noch nicht, mit welchen Folgen zu rechnen sein könnte.

Viel mehr vermag ich darüber im Moment nicht sagen. Nur eine grobe These hätte ich vielleicht noch im Angebot. Weil es doch im Zusammenhang mit dem schreibenden Ich immer wieder zu der Frage kommt, wie es denn mit der Autobiographie bestellt ist. Es ist die alte Frage nach der faktischen Wahrheit, die keinE AutorIn gerne hört, geschweige denn beantwortet.

Ich behaupte also, daß der einzige Berührungspunkt zwischen dem Ich, welchem auch immer, dem schreibenden Ich vermutlich, und dem Text ausschließlich im Moment des Schreibens selbst liegen könnte. Nur deshalb ist er so wichtig und wahr, dieser Moment. Mir zumindest. Und nur deshalb mag der Text letztendlich wichtig oder wahr sein und bleiben, womöglich. So wichtig wie dieses flüchtige Ich, das einzig und allein dem Schreiben dient, sich im Leben aber kaum zurechtfindet

Ich mag jedoch irren, mag sein.

Schürfen und schaufeln

Mittwoch, 29. Februar 2012

Geschichten gibt es auch ohne Öffentlichkeit, gleich welcher Art diese Öffentlichkeit auch sein mag. Papier, Pixel oder ein offenes Ohr, darauf kommt es erstmal nicht an. Geschichten gibt es einfach nur so, ganz für sich allein. Vermutlich ist das bei den meisten Menschen ähnlich, egal ob sie ihre Geschichten nun aufschreiben oder nicht einmal im Traum daran denken.  Geschichten kommen und gehen, ein Großteil wird niemals auch nur erzählt. Und so muß das sein, denn im Geheimen, da sind sie daheim. Irgendwo im Kopf, wo im Zweifel alles für immer verborgen ist. Wo niemand jemals hineingreifen und copypasten wird, da wohnen die Geschichten, erlebte wie erfundene. Dort wachsen sie und werden, reif. Oder auch nicht. Die meisten Geschichten werden vergessen oder verworfen, unzählige, jeden Tag. Tausende vermutlich, in einem einzigen Kopf. (Nein, ich übertreibe nicht. Vergessen zu können, das ist eine großartige menschliche Gabe.)

Vor allem liegt es aber daran, daß das Erzählen Zeit braucht. Viel Zeit, viel Entscheidung und viel Gestaltung ist gefragt. Mehr noch, wenn es ums Schreiben geht. Drei Monate habe ich zuletzt für knapp fünfzehn Seiten gebraucht, von Mitte November bis Anfang dieses Monats. Mit den üblichen Mietschreibereien zwischendurch, die mir die Wohnung erhalten. Mit ebensoviel Schwiegen und Nichtstun gefüllt, auch das gehört dazu. Sacken lassen, vergessen sogar und dann wiederfinden. Grundlegende Arbeit also, kein schnelles Geblogge. Denn das ist es, auch hier an dieser Stelle. Selbst wenn ich für den einen oder anderen Blogbeitrag auch schon einmal mehr ein Stündchen brauchen kann. Es ist trotzdem etwas  anderes, ein Unterschied beinah wie Tag und Nacht. Wie schürfen und schaufeln.

Schreiben, ohne schnelle, fast automatische Publikation. Vielleicht auch ganz ohne Publikation, das weiß ich derzeit noch nicht.  Kein Netz und kein Boden aus Holz, nichts dergleichen. Wie hatte ich das vermißt, ohne von diesem Manko zu wissen. Eine Ahnung vielleicht, ein Gespür. Und dann diese Konzentration, diese Tiefe. Diese Zufriedenheit am Ende. Das Wissen, daß es besser kaum geht.

Ich denke, das muß ich ab sofort wieder häufiger machen. Das darf ich auf keinen Fall wieder vergessen. Am besten, ich arbeite gleich weiter. Ich hätte da auch schon eine Idee, ein vor langer Zeit angefangenes Projekt. Veröffentlichen werde ich auch das nicht, nicht sofort zumindest. Aber erzähle werde ich vielleicht davon. Drüben, in der Rubrik write-insight.

Leben und Schreiben

Sonntag, 18. Dezember 2011

Sprache ist die Quelle von Mißverständnissen, das ist nichts Neues. Kommunikation ist eine komplexe Sache. Dazu braucht es mehr als nur Sprache, das steht wohl außer Frage.

Beim Bloggen ist das nicht anders, insbesondere bei der ganz persönlichen Art des Bloggens. Und sie sind ja nicht selten, die Tagebuchblogs zwischen persönlichem Erleben und literarischer Verarbeitung des Alltags. Auch hier ist mehr als Sprache gefragt, um zu verstehen. Oder aber manchmal auch nicht zu verstehen. Das gehört eben auch mit dazu.

Auch Claudia von der Sammelmappe kann ein Lied davon singen. Dieser Tage hat sie wieder einmal zusammengefaßt, wie es ihr mitunter ganz persönlich beim Bloggen ergeht:

Mir ist es sowohl in der realen als auch in der virtuellen Welt nicht fremd, dass ich auf Menschen stoße – bzw. eher umgekehrt, diese Menschen stoßen auf mich, machen sich ein Bild von mir und nach einer Weile fühlen sie sich provoziert, weil irgendetwas in diesem Bild nicht mit der Vorstellung, die sie sich von mir machen übereinstimmt. Je nach Persönlichkeit dieser Personen wird mir dann mehr oder weniger aggressiv gegenüber getreten. Mir werden Fehler in der Kommunikation vorgeworfen, mir wird erläutert, was die richtigen oder wichtigen Probleme, Themen oder Lebensentwürfe wären. Mir wird auseinandergesetzt, welche Reaktionen man sich von mir erwarten würde – und ganz wichtig: mir wird versichert, wie hoch man mich schätze und dass man deshalb zu meinem Besten in diese Dikussion mit mir eintrete.

Mißverstanden werden, mißinterpretiert und aus mißlichen Gründen unvermittelt aggressiv angegangen, das passiert immer wieder. Das gehört auch beim Privatbloggen einfach dazu, darauf sollte man gefaßt sein. Es ist wie mit jeder Literatur, die Versuchung ist groß, hinter dem Text die Person zu erkennen und klar zu definieren. Das ist jedoch nur ein Spiel, das man durchaus einmal spielen kann, um sich selbst auf die Schliche zu kommen. Nicht jedoch den anderen. Die Menschen hinter dem Text zu durchschauen ist ein Aspekt, der von Grund auf zum Scheitern verurteilt ist.

Für den oder die PrivatbloggerIn bedeutet das: Letztendlich hilft nur Gelassenheit. Und die Gewißheit, daß das eigene Leben ohnehin die einzige Konstante ist. Im eigenen Leben.

Lesen und Schreiben

Mittwoch, 30. November 2011

Ein schönes und vertrautes Wortpaar. Eine Zwillingsexistenz, wie es vermutlich nicht nur mir scheint. Aber was haben Schreiben und Lesen tatsächlich miteinander zu tun?

Selbstverständlich empfehle ich allen, die Schreiben wollen, zunächst einmal das Lesen. Dabei kommt es nicht darauf an, was gelesen wird. Die meisten Menschen werden ohnehin zu dem greifen, was sie interessiert und was sie eventuell auch selbst verfassen möchten. Doch das  ist nicht der Punkt, es dürfen auch Waschmaschinenbauanleitungen sein oder völlig verkorkste Wikipediaeinträge sein.

Wichtig ist vor allem die Sprachbetrachtung. Sprache ist Muster und Struktur, sie ist in sich starr und wenig flexibel. Sprache ist Macht, und die will schreibend in Fluß gebracht werden. Dafür muß man sie kennen. Gut kennen.

Aber wenn es schließlich ans Schreiben geht. Was dann? Soll man dann noch lesen? Und wenn ja, was?

Klagenfurt vor Ort

Donnerstag, 30. Juni 2011

In ein paar Tagen ist es soweit, ziemlich genau eine Woche noch, und die literarische Ausnahmezeit des Jahres beginnt. So war es für mich zumindest in den letzten 10 bis 15 Jahren. Im Büro habe ich mir freigenommen, die Uni wurde geschwänzt und wenn alles nichts half, mußte der Videorekorder herhalten. Aber gesehen habe ich immer, alles. Manchmal auch mitten in der Nacht.

Gut, genau genommen war es so eher früher, in den ersten Jahren, in denen ich dabei war. Seit das Internet in Klagenfurt mitspielt, hat sich alles ein wenig geändert. Wie sich ohnehin alles ändert, weniger oder auch mehr, durch das Internet. Die Texte stehen (meistens) rechtzeitig zur Verfügung, man kann zu Hause mitlesen, wie die Juroren und die Zuschauer vor Ort. Es gibt Echtzeitaustausch, Schnellschußwertungen und Twitterspaß am Rande. Jedes Jahr kommt mehr davon hinzu. Das macht Freude, klar. Ich bin auch immer gern dabei gewesen, wenn ich irgendwo dazugefunden habe. Es lenkt aber auch ab, daran kann kein Zweifel bestehen. Vor allem von den Texten. Das ist einfach so, das ist aber auch ganz normal. Denn Zuhören ist eine große Kunst, und Multitasking ist in vielerlei Hinsicht eine Illusion.

In diesem Jahr kann es für mich nur eines geben: Zurück zum Text! Und mehr noch: Zurück ins Leben! Ich werde dort sein, in Klagenfurt, und mir das Ganze mal in echt ansehen.

Ob ich dazu auch ins Internet schreiben werde? Keine Ahnung, mal sehen. Wenn da irgendwo ein WLAN herumliegt, wovon ich eigentlich ausgehe. Vielleicht.

Das Zen des Dichtens

Montag, 30. Mai 2011

Das Lyrische Ich ist ein verstecktes, ein verkrochenes mitunter. Dazu ist es da. Um unkenntlich zu machen, um zu verschleiern. Um zu schützen auch. Und um sich auszuweiten, die Grenzen des alltäglichen Egos zu sprengen.

Doch weil dieses eigenartige Ich so seltsam gestrickt ist, vermag es aus der anderen Perspektive betrachtet das genaue Gegenteil zu bewirken. Schreiben verändert, Worte haben wirkliche Macht. Das ist vielen Menschen vertraut, nicht nur  im kreativen, auch im therapeutischen Bereich kommt das zum tragen. Ganz zu schweigen von Politik, Information und all dem anderen meinungsmachenden Zeugs.

Dichten jedoch geht darüber hinaus, es verändert nicht nur, es entblößt auch. Daran führt kein Weg vorbei. Das sollte man wissen, wenn man sich ans dichten wagt. Dichten beeinflußt das Leben des Dichtenden, lenkt es in unplanbare Bahnen mitunter. Dichten verändert nicht nur, einfach so, ein kleines bißchen vielleicht, den Blickwinkel oder die Perspektive. Das Übliche halt.

Dichten ist ein Spiel mit der Seele. Ein großartiges, waghalsiges Spiel. Ein verwirrend ernsthaftes Spiel auch, das mit einer gewissen persönlichen Disziplin angegangen werden kann. Vielleicht sogar sollte. Großen Spaß macht es dennoch.

Linktip: Zendura

Schreiben als Arbeit

Dienstag, 21. September 2010

Es ist lange her, daß ich angefangen habe es so zu nennen: Arbeit. Das war ungewohnt, es schien mir auch nicht angemessen. Doch natürlich stimmte es, damals schon, und heute stimmt es noch viel mehr. Ich arbeite, wenn ich schreibe. Ich verfasse Text nach mehr oder weniger engen Vorgaben und bemühe mich darüber hinaus, die Deadline im Auge zu behalten. Das immerhin war damals noch anders, da ging ich zur Uni und die Arbeit im Büro hatte mit Schreiben zunächst nur ganz am Rand zu tun. Geschrieben habe ich einfach so, in meiner Freizeit, könnte man sagen. Schreiben war also mein Privatvergnügen. Oberflächlich betrachtet.

Tatsächlich war es das aber nie, nicht privat und auch nicht immer ein Vergnügen. Früh schon kannte ich den Kampf um das richtige Wort. Oder besser, das treffendste. Das, was dem ursprünglichen Gedanken, den gerade erlebten Gefühl, dem imaginierten  Geschehen am nächsten kam.  Schreiben nicht als Mittel zur Kommunikation, zumindest nicht in erster Linie, nicht als sauber strukturiertes Gebrauchsstück, schon gar nicht als eindeutige Aussage. Nein, weit jenseits aller Auftragstexte: Schreiben als Kunstform. Das ist die wirkliche Arbeit.

Dabei ist es völlig egal, auf welchem Niveau das geschieht. Ob nun ein Verlag einen „sagenhaften“ Vorschuß locker gemacht hat oder am Ende des Textes „nur“ das selbstgebastelte Blog auf einen frischen Beitrag wartet. Und ein paar User vielleicht, einige handverlesene Leser, die immer wieder einmal vorbeischauen, einfach weil sie das gerne möchten. Wichtig ist nur der innere Kreis. Der Dialog zwischen mir und dem Text, das Hineinrufen und der Widerhall. Etwas, das nie stimmen wird. Sprache ist ungenau und hinterhältig. Mitunter meint sie, etwas zu meinen, was niemals in meiner Absicht lag. Damit muß man umgehen. Das ist die Arbeit.

Das Suchen und Versuchen, das Finden und der Verlust. Das Aufgeben so vieler Ideen, die niemals wahr werden. Weil die Zeit fehlt, die Möglichkeit, manchmal auch die Kraft. Schreiben ist Arbeit. Schreiben ist Leben. Eine ständige Unzufriedenheit. Doch man lernt so unglaublich viel. Und das ist vielleicht das Wichtigste.