Archiv für Februar 2013

Abschied vom Text

Donnerstag, 28. Februar 2013

Nach fest kommt ab, weiß das Handwerk. Ich bin mit diesem Prinzip vertraut, nicht nur weil ich ursprünglich einmal Handwerkerin war. Es liegt mir darüber hinaus ohnehin in den Händen. Immer schon war ich in der Lage, das mir zur Verfügung stehende Werkzeug hemmungslos überzubeanspruchen. Was allerdings nichts anderes bedeutet, als daß am Ende Dinge kaputt gehen. Rücksichtslos drehe ich Schrauben die Köpfe weg, schlage mit dem Hammer häßliche Schreinerstempel ins Holz und zerbreche sogar das Werkzeug selbst, wenn ich nicht achtsam bin.

Natürlich will auch mit einem Text sorgsam umgegangen sein, ganz besonders, wenn es dem Ende zugeht. Auch hier ist handwerkliche Besonnenheit angesagt, Kontrolle über das Werkzeug, eine gewisse Vorsicht also mit den Mitteln und Möglichkeiten. Und das Wissen darum, daß alles eben nicht möglich ist. Niemals. Der Text ist am Ende immer anders, als ich ihn mir zu Beginn vorgestellt habe. Zeit ist vergangen, und er ist neue Wege gegangen, hat dabei eigenes entwickelt. Das will akzeptiert sein. Das muß akzeptiert sein, obwohl gerade dadurch auch vieles verschenkt wurde. Als AutorIn weiß ich davon, ich weiß alles.

Trotz allem ist da dieser Punkt gibt, an dem Schluß sein sollte. Egal, was alles noch offen, unfertig und unzulänglich sein sollte. Auch den weiß ich, den spüre ich als AutorIn. Hoffentlich. Denn nach fest kommt ab, auch bei einem Text.

Wer alles will und immer weiter macht, macht letztendlich alles kaputt. Das ist mir durchaus schon passiert, zum Glück meistens bei kleineren Sachen, deren Scheitern ich noch relativ früh registriert habe. Einmal aber hat es mich bei einer richtig großen Sache erwischt, bei einem Text, der wirklich hätte wichtig werden können. Jahre habe ich damit verbracht. Verschwendet. Jetzt ist da nur noch seitenweise toter Text, der definitiv nicht mehr zu retten sein wird.

Das ist schrecklich, weil es für immer so bleibt. Weil da nur noch Vergessen hilft, und das ist nicht leicht. Vor allem erschwert es das Weitermachen.  Und das muß schließlich sein. Irgendwann.