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Kommentarpsychologie

Sonntag, 31. Oktober 2010

Immer wieder lande ich beim Thema Kommentare, ich weiß. Was soll ich machen, das ist nun mal eines der entscheidenden Merkmale des Bloggens. Nur wegen der Kommentarmöglichkeit  bin ich irgendwann auf „richtige“ Blogsoftware umgestiegen. Einfach Text ins Netz stellen, das geht auch ohne. Aber ein Blog ohne Kommentare ist kein Blog. Meistens jedenfalls. Ausnahmen bestätigen die Regel.

Tolle Sache, das mit der Kommentarmöglichkeit in Blogs. Web 2.0 in Urform sozusagen, ein Nehmen und Geben. Und doch schwierig mitunter, eine Grundeinstellung dazu zu finden. Manch ein Kommentator versucht eben, es dem Blogger mal so richtig zu geben. Immer und immer wieder. Das kommt vor. Der Umgang mit den Kommentaren, die Kommentarpolitik also, ist dementsprechend eine Frage, die das eine oder andere leise bloggende Gemüt in eine mächtige Schieflage gebracht hat. Und die Ursache dafür sind, wie ich inzwischen begriffen habe, Gefühle.

In einem ganz anderen Zusammenhang habe ich neulich ein bißchen Theorie über Gruppendynamiken wälzen müssen.  Dazu muß ich sagen, daß ich nicht so der Gruppentyp bin. Seit jeher lebe und arbeite ich besser allein. Mit punktuellen Begegnungen höchst intensiver Natur. Das dann schon. Zu meiner Verwunderung las ich also, daß es in Gruppenprozessen oft weniger um die Sache, den Gruppengrund geht, sondern vielfach einfach nur um Beziehungen. Es geht um einen diffusen Wir-Begriff, ein grundsätzlich stabilisierendes Zugehörigkeitsgefühl. Es geht um Bestätigung und Erwartungen, um die Durchsetzung von Hierarchien auch. Vielleicht geht es zusätzlich noch um die Verwirklichung von Zielen, ganz nebenbei. Letztendlich steht dann die Loslösung von der liebgewonnenen Gruppe an und zu guter Letzt möglicherweise sogar eine abschließende Einsamkeitsbewältigung.

Das alles soll so auch auf Onlinegruppierungen zutreffen, so las ich weiter.  Die Ausprägungen sind virtuell im Einzelnen zwar ein wenig anders gelagert, grundsätzlich aber besteht kaum ein Unterschied. So zumindest stand es in dem Papier.

Zunächst hat mich das überrascht. Natürlich kenne ich den Begriff Beziehung in Zusammenhang mit Freundschaften und Familien usw.  Sogar langjährige Arbeitsgruppen entwickeln solche Strukturen, werden zu einer Art Familie. Das habe ich alles schon erlebt. Und die Dynamik in Communities und Foren ist mir in meinen frühen Onlinejahren mitunter schmerzhaft bewußt (gemacht) geworden. Aber trifft das auch auf anonyme Einzelkommentatoren zu, die sich zufällig auf irgendeinem Blog versammeln?

Möglich wäre es. Zumindest stelle ich immer wieder fest, daß es den Schreckgespenstern unter den Kommentatoren weniger um Meinungsaustausch geht, als vielmehr um simple Meinungsverkündung. Bestenfalls noch um die darauffolgende Bebauchpinselung. Darüber hinaus scheint es noch überaus wichtig zu sein, andere Platt zu machen, sie in die unterste Kategorie abzuschieben. Eine Hierarchiestruktur zu etablieren also. So läuft dann so manches Kommentargeschehen – im HSB beispielsweise – im Grunde die immergleichen Kreise, solange immer dieselben Kommentatoren zugange sind. Die Argumentationstränge ähneln sich und führen dennoch zu nichts, auch auf Dauer nicht. Eben weil sie gar nicht darauf aus sind, irgendein Ergebnis zu produzieren, sondern lediglich auf eine ständige Wiederholung angelegt. Wie das mit Gefühlen so ist, manchmal. Oder eigentlich so gut wie immer.

Auch Blogs, die nicht besonders kommentargeflutet sind, werden gelegentlich von solchen emotionalen Selbstläufern heimgesucht. In meinem kleinen Privat- und Schreibblog beispielsweise tummelt sich immer wieder mal ein solches Wesen. Mit verschiedenen Allerweltsnamen versehen, kennt es dennoch nur ein Thema. Es will mir meine versammelten Unzulänglichkeiten vor Augen halten, indem es mich auf meinen altmodischen Herd, meine unmögliche Wohngegend und sämtliche sonstige Blödheiten hinweist, die es an mir vermutet. Derer gibt es ohne Frage etliche. Und das Ganze ist auch durchaus nicht unelegant vorgetragen und vor allem mit einem unheimlichen Durchhaltevermögen durchgeführt. Das muß ich schon sagen. Ich lese das auch immer mit Interesse. Zum Beispiel ist erkennbar, daß dieses Wesen sich im Internet über mich informiert hat. Soweit das eben geht. Viel ist es nicht, was man dort in Erfahrung bringen kann. Vorwiegend Äußerlichkeiten und Eckdaten, die über mich als Mensch nicht allzuviel aussagen. Eigentlich weiß das doch jeder, denke ich immer. Aber mein persönliches Kommentarwesen bleibt eisern bei der Stange. Seit Jahren jetzt schon.

Natürlich antworte ich nicht auf diese Kommentare, schon lange nicht mehr.  Ich bin auch kein Niggemeier, daß ich mir nun die Mühe machen würde, das alles aufzulisten. Nicht einmal jetzt, hier, an dieser Stelle, wo ich ausnahmsweise einmal darüber schreibe. Das ist mir alles viel zuviel Aufwand. Ich erinnere  mich aber noch gut, wie das alles anfing, damals. Wie sehr es mich irritiert hat, ja, emotional gepackt, weil ich es zunächst doch ernst genommen hatte. Und persönlich. Das war keine gute Idee. Das kostet Kraft. Und ist sinnlos.

Heute lese ich das nur und vergesse es dann wieder. Besonders jetzt, wo ich spitz habe, das so etwas mitunter einfach nur eine mehr als simple emotionale Absicht verfolgt. Seitdem geht das schlicht an mir vorbei.

Law & Disorder

Mittwoch, 17. März 2010

Felix hat auf seinem Blog wirres.net eine hübsche Zusammenstellung von Internetgesetzen veröffentlicht, die insbesondere in Diskussionen in Kraft treten. Sehr spannend, wenn auch vielleicht ein wenig lang. Und weiteres Wachstum der Liste ist ja durchaus zu erwarten. Im Zusammenhang mit meiner frustgeprägten Auseinandersetzung mit dem Kommentargeschehen (insbesondere im HSB), kam mir aber dennoch vieles ziemlich bekannt und auch erhellend vor.

Besonders zutreffend erscheint mir Nummer 59: Nach der Erfüllung eines der Usenet-Laws ist die Diskussion beendet. Wer dennoch weiterdiskutiert, hat es nur noch nicht gemerkt.

Gänzlich unverständlich hingegen ist mir Nummer 24: Sobald sich in einem Thread ein weiblicher Poster zu Wort meldet, hat dieser automatisch die ganze Aufmerksamkeit der Newsgroup, was den Tod des urprünglichen Themas mit sich zieht.

Da behaupte noch einmal jemand, das Internet sei nicht vorwiegend männlich geprägt.

Die Krux mit den Kommentaren

Montag, 22. Februar 2010

Eine der herausragenden Funktionen von Blogs ist die Kommentarfunktion. Man könnte sagen, daß es sich um ein absolutes Alleinstellungsmerkmal handelt. Kommentare sind das Ende der publizistischen Einbahnstraße, sie bedeuten Reflektion und Austausch. Im besten Fall.

Vor Jahren, als ich mein erstes „Blog” noch handgestrickt und per FTP hochgeladen habe, gab es dort aus technischen Gründen keine Möglichkeit zur Kommentarabgabe. (Besser nicht fragen, warum. Meine damalige technische Unzulänglichkeit ist mir heute ein kleines bißchen peinlich. Meine heutige allerdings meistens auch, das wird wohl immer so bleiben.) Vor allem, weil es keine Kommentarfunktion gab, habe ich irgendwann angefangen, mich nach einer Lösung umzusehen. Zunächst bin ich zu Twoday gewechselt, kurz darauf dann auf eine eigene Domain. Kommentare waren und sind mir einfach wichtig.

Im besten Fall kommen auf Basis der Kommentarfunktion Begegnungen und Bekanntschaften zustande, mitunter sogar Freundschaften. Auch fein ist ein intensiver Austausch, Ideen und Informationen können auf der Basis entwickelt werden. Ärgerlich sind Spamattacken und richtig nervig, wenn man sich einen hartnäckigen, womöglich auch noch bösartigen Troll eingefangen hat. Das alles ist jedoch noch harmlos.

Die rechtliche Lage ist – grob gesagt und ohne rechtsverbindlichen Anspruch – eindeutig: Niemand darf auf meinen Seiten Unsinn in den Kommentaren hinterlassen. Das gilt vor allem für rechtwidrige Links, nicht jugendfreie Werbung und Ignorieren des Urheberrechts. Selbstverständlich möchte auch kaum jemand sonstige Werbung ungefragt dort beherbergen. Außerdem dürfen keinerlei Beleidigungen oder Verunglimpfungen dort veröffentlicht sein, ganz egal, wer damit gemeint sein könnte. Also keine öffentliche oder private Person oder auch nur ein Nutzernick darf dort beschimpft werden. Und es gibt sicherlich noch einiges mehr, auf das man in dem Zusammenhang zu achten hat.

Im Klartext bedeutet das: Kommentare müssen zwingend überwacht werden. Im Zweifel einfach von Herzen löschen. Besser ist besser.

Richtig übel wird das allerdings bei Blogs mit Magazincharakter. Solche Blogs werden häufig mit den gängigen Nachrichtenportalen verwechselt und haben daher mit denselben Schwierigkeiten zu kämpfen, wie sie auch auf eben diesen professionell aufgezogenen Seiten auftreten. Mit dem Unterschied, daß der damit verbundene Arbeitsaufwand von einem einzelnen Blogger oder auch einem Bloggerkolletiv kaum geleistet werden kann.

Das Hauptstadtblog beispielsweise zieht seit jeher eine zwar recht kleine, aber doch höchst aktive Schar von Stammkommentatoren an. Das erhöht zwar die Diskussionsquantität, damit jedoch nicht zwingend auch die Diskussionsqualität. Meistens geschieht das Gegenteil und jeder einzelne Beitrag wird, ganz und gar unabhängig vom vorgegebenen Thema des Beitrags, für den immergleichen Streit genutzt. Darüber hinaus werden alle Versuche, dieses Gehampel möglichst zu unterbinden, gerne auf eine Metaebene gehoben und ebenfalls immer und immer wieder in den Niederungen der Kommentaren durchgekaut.

In dieser Situation hilft oft nur noch, die Kommentare für eine Weile ganz abzuschalten, um das Getrolle grundsätzlich auszuhungern. Nicht schön, aber es bringt eine beinah göttliche Ruhe in das Geschehen. Und natürlich die Diskussion, ob ein Blog ohne Kommentare denn überhaupt ein Blog ist.

Einmal haben wir das im HSB schon gemacht, und heute bin ich fast wieder soweit. Nachdem einer unserer Oberspaßmacher sich gegen Mittag eine Weile lang amüsiert hat, indem er im Minutentakt etliche Zitate in lateinischer Sprache unter diverse Beiträge postete. Was ich dann, als Nichtlateinerin, dennoch auf Inhalt zu prüfen hatte. Das geht nicht anders, das muß einfach sein. Ganz besonders bei den ohnehin blogbekannten Querulanten.

Doch an einem gewissen Punkt ist auch damit einfach Schluß. Da vergeht mir jegliche Lust, und zwar exakt in dem Moment, in dem das Ganze zu einem Machtspiel wird. Wenn es nicht mehr darum geht, etwas Bestimmtes zu sagen, sondern nur noch darum, überhaupt irgend etwas zu sagen. Gegen die putative Macht des Blogbetreibers. Wie ein kleiner Junge in der Warumphase, auch wenn es sich in dem Fall wohl eher um eine Darumphase handelt. Eine Guerillataktik im Grunde.

Doch es sind die vermeintlich Ohnmächtigen, die eine solche Gesamtlage beherrschen. Das ist lächerlich, aber es ist so. Und es hilft einfach nichts, nur die vollständige Verweigerung.