Artikel-Schlagworte: „Lügen“

Im Fokus

Donnerstag, 30. Mai 2013

Oder darüber hinaus. Oder darin verschwunden. So sieht es aus, mitunter.

fokus

Erwischt!

Mittwoch, 15. Juli 2009

Ich habe übrigens gelogen. Der Titel des letzten Beitrags in diesem Blog lautet: Blogger stehlen nicht. Was natürlich völliger Unsinn ist, denn natürlich tun sie das. Immer wieder, auch wenn sie es besser nicht sollten. Gerade davon handelt der Beitrag ja. Tja!

So schnell kann’s gehen. Und ich habe es nicht einmal auf Anhieb gemerkt.

Schreiben ist Denken

Sonntag, 23. November 2008

Wie viele habe ich das Schreiben vor Jahren mit Lyrik begonnen. Oder mit dem, was ich als Dreizehnjährige dafür hielt. Schlecht war das nicht, wenn auch nicht wirklich gut. Das Reimen zumindest habe ich mir schnell abgewöhnt. (Obwohl ich es kann, durchaus.) Das war wohl der entscheidende Schritt. Danach wurde es tiefer. Und dichter. Fast von allein.

Inzwischen aber, das muß ich bekennen, werde ich immer mehr zur Erzählerin. Die Lyrik fliegt mir nur selten noch dazwischen. Damit liebe ich, was mich als Kind schon in seinen Bann gezogen hat. Die Geschichten, in die man abtauchen kann. In denen man sich verliert, über Stunden. Sinnvolle Figuren, die – beinah – in Fleisch und Blut daherkommen. Oder sogar Hirn und Verstand mitbringen, falls erforderlich. Handlungen, die auch jenseits der Struktur tragfähig bleiben. Im Nachsinnen und Weiterträumen.

Das ist altmodisch, ich weiß. Es gibt so viele schöne neue Möglichkeiten zu schreiben, experimentelle Formalien und sprachliche Marotten sind schwer angesagt. Immer wieder, immer noch. Das Internet fügt seinen Teil hinzu und bricht eine „Regel” nach der anderen auf. Das Lineare vor allem verschwindet mehr und mehr, dadurch werden verflochtene Netz- und Denkstrukturen in Texten immer machbarer. Allerdings nicht unbedingt lesbarer, leider. Dennoch ist das eine entscheidende Entwicklung, durchaus auch in Hinsicht auf das Erzählen der  eher „altmodischen” Art.

Denken ist eng mit dem Lügen verbunden, von dem ich neulich sprach. Es ist absolut notwendig, um die Brücken schlagen zu können, die erforderlich sind, damit eine Geschichte standhaft bleibt. Nur gut durchdachte Texte stehen fest und sicher. Was allerdings nicht heißt, daß das Fundament in Beton gegossen werden muß. Oder gar sollte. Filigrane Trägerstrukturen sind nicht nur zeitgemäß, sondern funktionieren auch wesentlich besser. Gerade die Grundstruktur verträgt große Löcher, in denen man verschwinden, in die man sich hineindenken kann. Auf die Art werden auch die „kleinen” Geschichten spannend, die alltäglichen Blogplaudereien zum Beispiel. Verschweigen ist angesagt, andeuten nur und gleich wieder abbrechen. Plötzlich abbiegen in eine unerwartete Richtung, verleugnen und verwirren. Sich (scheinbar) widersprechen. Das alles ist erlaubt und erwünscht. Das sind aktuelle Stilmittel, wichtiger als etwa die verstärkende Wiederholung oder lange deskriptive Passagen.

Derart große Löcher, Haken und Ösen in das Fundament einer Geschichte zu schlagen, sollte jedoch nicht auf die leichte Schulter genommen werden. Das ist schwere Arbeit, vergleichbar mit dem freien Schweben im All. Lügen ist kein Herumträumen ohne Zusammenhang. Auch fiktive Welten wollen solide erschaffen, wollen de facto lebensfähig sein. Das tragende Gerüst muß also gut durchdacht und stabil gebaut werden, unter Berücksichtigung aller Wenns und Abers. Denn keinesfalls sollte man in der Hinsicht seine Leser unterschätzen. Die meisten „Fehler” auf diesem Gebiet werden mit Leichtigkeit entlarvt. Auch Dinge, die im Grunde gar keine Fehler sind, werden immer wieder gern zur Diskussion gestellt. Dagegen muß man natürlich die richtigen Argumente parat haben. Insbesondere in Blogs, in denen ja zumeist kommentiert werden kann.

Schreiben ist also Denken, beim Schreiber wie beim Leser. Das vor allem.

Wer bloggen will, muß lügen

Sonntag, 26. Oktober 2008

Die weitverbreitete Annahme, daß Blogs grundsätzlich so eine Art Tagebuch seien und von daher ein naturgetreues Bild der Wirklichkeit oder gar des bloggenden Menschen selbst abgäben, ist nahezu immer falsch. Ich kenne kaum ein Blog, daß das leistet oder es auch nur versucht. Ich halte es auch für nahezu unmöglich. Immer gibt es Auslassungen, mehr oder weniger große weiße Flecken im Textgespinst. Das muß so sein. Es gibt Dinge, über die einfach nicht geschrieben werden kann. Bei aller vermeintlichen Offenheit. Nicht so zumindest, nicht öffentlich. Und auf gar keinen Fall, ohne das wahre Geschehen geschickt zu kaschieren.

Lügen ist also weitverbreitet und sowieso prinzipiell erlaubt. Alle Blogger lügen, daran führt kein Weg vorbei. Wie im richtigen Leben. Lügen sind Teil einer globalen Konstruktion. Die Frage ist nur, wie gut gelogen wird.

Man lernt es als Kind, irgendwann. Man begreift schnell, daß Lügen kein leichtes Spiel ist, sondern eines, das gut durchdacht sein will. Es hilft nicht, zu behaupten, man sei im Kino gewesen, wenn man den Film nicht erzählen kann. Nicht einmal in groben Zügen. Darum muß man sich kümmern. Wer das nicht will oder kann, der sollte es mit dem Lügen gar nicht erst versuchen. Und sich statt dessen besser in Schwiegen üben. Das geht auch, das ist der andere Weg. Echte Schweiger bloggen allerdings eher selten. Eben weil sie nicht lügen können. Oder wollen

Eine der wichtigsten Entscheidungen in Zusammenhang mit einem Blog ist die Lüge über die eigene Identität. Egal, ob unter Klarnamen oder Pseudonym gebloggt wird. Gleichgültig auch, ob Geschichten erzählt oder Tagesprotokolle erstellt werden sollen. Immer bildet sich eine Blogpersönlichkeit heraus, die mit der realen Person nur zum Teil identisch ist. Mitunter haben beide auch rein gar nichts miteinander zu tun. Je nachdem, wie weit die Verfremdung gehen soll, sind bereits im Vorfeld Überlegungen anzustellen, wie das Ganze funktionieren kann. Auf die Art wird quasi ein zweiter Boden eingefügt.

Ähnliche Überlegungen müssen natürlich in Bezug auf alle Personen, die im Blog auftauchen, angestellt werden. Die Regeln, die für die eigene Person gelten, sollten – am besten noch wesentlich strenger – auch für alle anderen zugrunde gelegt werden. Im Zweifel kann man natürlich vorher einfach mal nachfragen.

Der zweite Bereich mit meist überdurchschnittlichem Lügenbedarf tritt eher im Ablauf zutage, also beim alltäglichen Bloggen selbst. Auch die Zeit ist ein grundlegendes Problem, über das beizeiten nachgedacht werden sollte. Erzähle ich meinem Publikum immer, wo ich mich gerade befinde? Teile ich also öffentlich mit, in welchem Hotelbett nächtige und mit wem? Oder daß ich einen dreitägigen Ausflug in die Schweizer Berge mache? Muß das wirklich sein? Tatsächlich? Kann das nicht auch ein paar Tage später geschehen? Merkt doch eh keiner. Oder?

Lügen dienen vor allem dem Schutz. Nur deshalb lernen Kinder es irgendwann. Weil sie etwas für ich haben und behalten wollen. Ein Geheimnis, ein Geschenk. Oder etwas, das sie ganz allein bestimmen. Ein Erlebnis, einen Traum. Eine Welt eben. Dafür lohnt es sich zu lügen.

Für das Bloggen heißt das im Extremfall, daß eine mehr oder weniger groß angelegte Lügenstrategie bis ins Detail ausgearbeitet werden muß. Und auch darüber hinaus bedeutet es, immer wach zu bleiben und gut nachzudenken. Was geht und was nicht. Was paßt, und was liegt daneben. Es bedeutet, Entscheidungen zu treffen, Wort für Wort. Aber das ist beim Schreiben ohnehin unerläßlich.

Im Grunde muß also über den Grad der Verschleierung eines jeden Beitrags entschieden werden. Mal mehr und mal weniger. Je persönlicher das Thema, desto vorsichtiger sollte man sein. Desto besser sollte man lügen können. Gut zu lügen bedeutet vor allem, die Dinge nicht völlig aus der Wirklichkeit herauszudrehen. Sie nicht unkenntlich zu machen, obwohl auf Anhieb nichts erkannt werden soll. Das vor allem macht die Kunst des Bloggens aus. Und es gehört auch zum Schreiben, irgendwie.

Damit allerdings betreten wir endgültig den literarischen Bereich. Und Formfragen sind ein weites Feld, nahezu unübersehbar.