Archiv für die Kategorie „Magie“

Aller Anfang ist Lyrik

Samstag, 28. September 2013

Das gilt sicher nicht für jede, die es mit dem Schreiben hat.  Ich weiß das, aber bei mir war es so, und neulich habe ich mich daran erinnert. Endlich.

Wie ich im Wohnzimmer meiner Oma saß, in dem Sessel neben der Tür, den gelborangefarbenen Carrera Füller in der Hand und einen Schreibblock auf den Knien. Zwölf war ich und wollte ein Buch schreiben, einfach so. Ich weiß nicht warum, und ich habe diese Idee später oft genug verflucht. Vor allem, weil ich im Grunde bis heute nicht mehr von ihr lassen konnte. Sogar im selben Moment noch, bei meiner Oma mit dem Füller in der Hand, war ich schwer irritiert, als mir klar wurde, daß es so leicht nicht ist, auf die andere Seite des Buches zu treten. Es braucht unendlich viel Zeit, um ein Buch zu schreiben, das dann in zwei oder drei Nächten weggelesen werden kann. Und es braucht viel Zeit darum herum, viel Suchen und Warten und Denken. Bevor sich – vielleicht – etwas findet, das aufs Papier gehört. Und bevor sich daraus möglicherweise auch noch ein Zusammenhang erschließt.

Das konnte ich mit zwölf noch nicht, nicht einmal verstehen.

Die Lösung war, das mit dem Buch erst einmal zu vergessen und, statt der schmerzhaften Ausweitung der Zeit, es zunächst einmal mit der vergleichsweise einfacheren Ausweitung des Raumes zu versuchen. Der Ausweitung des Textraumes: Lyrik also, was sonst? Für mich zumindest. Hineingreifen ins Nichts und alles daraus holen. Das fiel mir vergleichsweise leicht.

So habe ich es also in den letzten Wochen auch endlich wieder gehalten, um zurück in die Prosa zu finden. In den Raum greifen, tapfer und ohne jede Rücksicht auf Gewinne oder Verluste. Und siehe da, er ist fruchtbar, immer noch. Auch wenn ich keine Ahnung habe, warum und wie das eigentlich möglich ist. Das ist und bleibt Magie.

[Und es ist furchtbar zugleich, nun ja. Das aber steht auf einem andern Blatt. Man weiß nie, was man findet in diesem Nichts. So ist das.]

Vorfreude

Sonntag, 30. Juni 2013

In ein paar Tagen geht es nach Klagenfurt, zu den Tagen der deutschsprachigen Literatur. Das dritte Mal für mich, und immer ist es anders. Das ist mir bereits klar. Ich bin also aufgeregt, jetzt schon.

Mehr dann danach.

Im Fokus

Donnerstag, 30. Mai 2013

Oder darüber hinaus. Oder darin verschwunden. So sieht es aus, mitunter.

fokus

Springen. Üben.

Samstag, 30. März 2013

Sich ein Buch greifen, aufschlagen und hineinsehen. Drei Sätze lesen, wahllos, und losschreiben. Wahllos, kritiklos, spontan.

Nicht immer einfach, eigentlich nie. Aber gut, ein gutes Gefühl. Immer.

Worte sind nichts

Mittwoch, 30. Januar 2013

Aber sie werden, beim Schreiben, Aufschreiben. Oder eben beim Aufschreien. Worte sind Macht.

Vom Glück der Sprache

Montag, 31. Dezember 2012

Immer noch bei der Arbeit, tief verstrickt und schier blind. Blindheit gehört dazu, Unübersicht und möglicherweise sogar Verklärtheit. Das geht vorbei, zum Glück. So soll es sein, beim Schreiben. Die Hoffnung bleibt.

Von wegen Glück. Neulich hat mich mitten im Text ein Tweet zu einer spontanen Reaktion herausgefordert. Sprache schafft Realität, stand da. Was für ein machtvoller Satz, und dennoch mochte ich widersprechen. zum glück nicht besonders nachhaltig, schrieb ich dazu, mehr so aus dem Handgelenk und ohne groß nachzudenken. Natürlich gab es auch darauf sofort Widerspruch. Fundiert, wie ich finde, denn beim anschließenden Nachdenken mußte ich der fatalen Nachhaltigkeit von Sprache einfach nur zustimmen. (Zum Nachlesen bitte hier entlang.)

Trotzdem stehe ich zu meiner Spontanreaktion, die sich doch im Grunde kaum halten läßt. Und ich weiß nicht recht, warum eigentlich. Im Kopf hatte ich dabei den Unterschied zwischen verbaler und physischer Gewaltanwendung. Beides ist mir bekannt. Ich weiß genau, wie nachhaltig die dummen Sätze anderer in den Ohren klingen. Und nicht nur da, bis ins Gemüt kriecht die Verachtung, nachlässig in ein paar Worte gefaßt. Das hat mich viel im Leben gekostet. Es gab Zeiten, da habe ich um die Stabilität meines Verstandes gefürchtet. Zum Glück grundlos, die Kraft hat gereicht. Immer. Mein Leben ist trotz allem nie zerbröselt. Um meine physische Existenz dagegen hatte ich keine Sorge. Die physischen Zumutungen waren später auch wesentlich leichter zu übergehen, zu verzeihen sogar. Der Ursprung meiner eigenartig unzutreffenden Reaktion auf den Tweet liegt also womöglich in dem vagen Wissen darum, wie nachhaltig eine physische Bedrohung wirken könnte. Und in der Erleichterung darüber, so etwas persönlich nur aus einer relativen Ferne zu kennen.

Weshalb meine Sprache frei geblieben ist. Frei, zu tun, was sie will. Mal das Richtige, mal das Falsche. Vor allem aber das Widersprüchliche.

Sprache und Wahrnehmung waren meine Rettung. Beides ist an sich beweglich, wandelbar und überraschend. Beides schafft die Realität ebenso, wie sie die vorgefundene Realität abbildet. Das kann gut sein oder von Übel, das ist eine Frage der Betrachtung und eine der Handhabung. In dieser Vielschichtigkeit liegt die Möglichkeit zur Gestaltung, zur Kunst. Und damit die Magie der Veränderung der Welt. Der eigenen zumindest, das auf jeden Fall. Das will ich gerne bestätigen.

Mut zur Lücke

Donnerstag, 26. April 2012

Mit Sprache zu arbeiten bedeutet: nicht mit Sprache zu arbeiten.

Worte umschließen nur die Risse und Brüche, notdürftig, die Lücken im Denken. Wo Wirklichkeit und Wahrheit wohnen, im Atem. Dazwischen.

Das Zen des Dichtens

Montag, 30. Mai 2011

Das Lyrische Ich ist ein verstecktes, ein verkrochenes mitunter. Dazu ist es da. Um unkenntlich zu machen, um zu verschleiern. Um zu schützen auch. Und um sich auszuweiten, die Grenzen des alltäglichen Egos zu sprengen.

Doch weil dieses eigenartige Ich so seltsam gestrickt ist, vermag es aus der anderen Perspektive betrachtet das genaue Gegenteil zu bewirken. Schreiben verändert, Worte haben wirkliche Macht. Das ist vielen Menschen vertraut, nicht nur  im kreativen, auch im therapeutischen Bereich kommt das zum tragen. Ganz zu schweigen von Politik, Information und all dem anderen meinungsmachenden Zeugs.

Dichten jedoch geht darüber hinaus, es verändert nicht nur, es entblößt auch. Daran führt kein Weg vorbei. Das sollte man wissen, wenn man sich ans dichten wagt. Dichten beeinflußt das Leben des Dichtenden, lenkt es in unplanbare Bahnen mitunter. Dichten verändert nicht nur, einfach so, ein kleines bißchen vielleicht, den Blickwinkel oder die Perspektive. Das Übliche halt.

Dichten ist ein Spiel mit der Seele. Ein großartiges, waghalsiges Spiel. Ein verwirrend ernsthaftes Spiel auch, das mit einer gewissen persönlichen Disziplin angegangen werden kann. Vielleicht sogar sollte. Großen Spaß macht es dennoch.

Linktip: Zendura

Am Anfang

Samstag, 31. Juli 2010

Vor ziemlich genau zwei Jahren habe ich dieses Blog gestartet. Um Worte zu finden rund um das Wort, das an sich ja eigentlich nichtig ist. Ein Nichts, ähnlich wie Geld, das einmal Gold gewesen sein mag, inzwischen aber Papier ist oder aber nur noch eine digitale Ziffer. Mehr nicht mehr und mitunter nicht einmal mehr das, wie wir alle inzwischen wissen. Alles ist Illusion.  Auch der Umgang mit Worten, das Schreiben auf Papier oder aber digital, in die Vergänglichkeit des Internets.

In den zwei Jahren habe ich mich bemüht, muß aber zugeben, daß ich unzufrieden bin. Es gibt kein Konzept, nur eine grobe Struktur. Vielleicht ist das falsch, keine Ahnung. Es gibt auch kein erklärtes Ziel, alles ist einfach nur Geplätscher. Dagegen habe ich im Grunde nichts. Das ist bloggish, finde ich. Aber deshalb sieht es hier so aus, wie es nun mal aussieht. Recht karg.

Dabei gäbe viel zum Thema Schreiben zu sagen, das denke ich immer noch. Doch nicht immer habe ich die Zeit oder die Muße, all das, was es zu sagen gäbe, adäquat umzusetzen. das braucht eben ein bißchen, Zeit und klare Gedanken. Einfach mal eben so ein paar Sätze hinfetzen, damit ist es hier nicht getan. Dafür ist anderswo genug Platz.

Aus diesem Grund gibt es hier seit geraumer Zeit einen internen Minimalkonsens mit mir selbst, der besagt, daß jeden Monat wenigstens ein Beitrag zu erscheinen hat. Nur deshalb sitze ich jetzt hier und schreibe. Es ist der 31. Juli, der letzte Tag im Monat. Und ich habe in diesem Monat noch nichts geschrieben. Einen anderen Anlaß gibt es nicht.

Doch es funktioniert, auch so geht Schreiben. Man tut es einfach, weil es getan werden muß. Aus keinem anderen Grund. Man kann anfangen, irgendwo. Es ist ganz einfach. Der Kopf ist niemals leer. Und ausgehend von diesem Anfang wird sich bald schon etwas ergeben. Eine Richtung, ein Ziel, man wird sehen. Auf jeden Fall ist ein Anfang gemacht, ein Pfad gelegt für das nächste Wort. Welches auch immer das sein mag.

Glatte Zeit – wie sich die Räume öffnen

Samstag, 26. Dezember 2009

Eines der größten Probleme beim Schreiben ist es, die Zeit dazu zu finden. Sie sich zu nehmen oder zu schaffen. Irgendwie. Und zwar ist nicht nur eine genügende Zeitspanne vonnöten, es muß zwingend auch die richtige Zeit sein. Eine ausreichende Reihe von Momenten, in denen Zeit und Raum aufeinandertreffen, miteinander verschmelzen und damit die nötigen Türen öffnen. So viele wie nur irgend möglich.

Das ist nicht einfach.

Der Alltag arbeitet gegen diesen Zustand, gegen diese Art von Leben. Und leben muß man es, das Schreiben. Trotzdem zerschneiden Termine die Möglichkeiten, immer wieder, das Telefon funkt dazwischen und vermeintliche Verpflichtungen, die womöglich vermeidbar wären, grassieren mitunter wie die Pest. So wird der Wunsch, sich dem Zauber des Schreibens hinzugeben, plötzlich zu einem Kampf. Was selbstverständlich ebenfalls nicht besonders hilfreich ist. Denn er scheint stets aussichtslos.

Neulich stieß ich spät abends, beim nächtlichen TV-Zapping, auf eine Sendung über und mit Michael Köhlmeier, einem österreichischen Schriftsteller. Klar, daß ich bei so etwas hängenbleibe, egal, wie spät es ist. An einer Stelle war die Rede von glatter Zeit, die es zum Schreiben braucht. Längere Zeit also, in der nichts stört, in der Alltag in den Hintergrund tritt und Schreiben überhaupt erst möglich ist. Glatte Zeit, das ist ein wunderbar zutreffender Begriff, der, wie ich nach kurzer Recherche feststellte, auf Roland Barthes zurückgeht. Die Vorbereitung eines Romans habe ich leider nicht da, und im Netz finde ich gerade nur das Inhaltsverzeichnis (PDF). Sieht nach einem mächtigen Schinken aus, den es sich sicherlich lohnt zu lesen. Nicht nur wegen der glatten Zeit.

Andererseits (ver)braucht natürlich auch Lesen jede Menge Zeit. Zeit, die dann fürs Schreiben fehlt, eventuell. Bilde, Künstler, rede nicht! Doch genau weiß man das letztendlich nie, wo exakt die Grenze ist. Was hilft weiter, was zerstört, unwiderruflich. Und wann kippt es. Ins Unerträgliche, in Verzweiflung und Zweifel.

Nach fast zwei Monaten Unterbrechung, bedingt durch Broterwerb und anderen Streß, scheint es (mir derzeit) so gut wie unmöglich, einfach nahtlos weiterzumachen. Die Story wiederzufinden, den Ton und den Schwung. Oder auch nur einen halbwegs funktionierenden Anschluß zu bauen. Die Brücke, die geschlagen werden will, ragt weit hinaus ins Leere. Dort warten die Räume, die geöffnet werden wollen. Eine unglaubliche Anziehung geht davon aus. Aber wie findet sich die Zeit, die weit genug reicht?

Zum Abschluß noch ein interessantes Interview mit Michael Köhlmeier (PDF).