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Blogs und Kreativität

Mittwoch, 30. März 2011

Mit Blogs kann man ja viel anstellen, eigentlich so ziemlich alles. Dabei sollte niemand davon ausgehen, daß Blogs immer nur persönlichen Kram thematisieren. Also reines Tagebuchgekritzel veranstalten, wie es das Vorurteil will. Andererseits muß aber auch nicht alles, was in Blogs passiert, gleich hochinvestigativer Netzjournalismus oder gar PR sein. Letzteres wäre ja auch noch schöner, besten Dank.

Blog machen das, was man von ihnen möchte. Sie veröffentlichen es, das Denken, das Leben, das Tun.

Ein wunderbares Beispiel ist das das wohnzimmer, in dem seit Anfang des Jahres one creation per day erscheint. Und das ein ganzes Jahr lang! Eine phantastische Idee, die offensichtlich auf Noah Scalin zurückgeht: 365Make Something Every Day And Change Your Life. Das mit dem Ändern des Lebens mag man auf den ersten Blick für ein wenig weit hergeholt halten, so ein kleines bißchen amerikanisch übertreiben angehaucht. Ines, die das  Wiener Wohnzimmer fleißig tagtäglich bestückt, räumt in diesem Kommentar in meinem Privatblog mit diesen Befürchtungen auf. Und hat mich damit außerdem in meiner eigenen Idee bestärkt: Ein Gedicht pro Woche? Das sollte zu schaffen sein. Also warum nicht?

Zu lesen sind meine lyrischen Versuche, die ersten nach vielen Jahren Pause, in meinem kleinen Minimalblog Zendura. Das war schon seit einiger Zeit als Lyrikblog eingerichtet, ein bißchen was stand auch schon vorher darin. Häufig waren es alte Sachen, die ich dafür mühsam herausgesucht habe. Jetzt ist es auf einmal lebendig. Und ein paar Randbemerkungen finden sich jede Woche in meinem absurdum.

Auch so etwas können Blogs sein. Lebensveränderer. Sehr, sehr gut sogar.

Bloggen ist Schenken

Sonntag, 27. Februar 2011

Viel wird geredet und geschrieben dieser Tage über die plötzliche Hoffähigkeit des Plagiats. Eines möchte ich daher gleich vorab festhalten: Im Folgenden möchte ich keinesfalls zum Ausdruck bringen, daß es beim Bloggen etwa darum ginge, Inhalt zur freien weiteren Verfügung zu stellen. Nein, das selbstverständlich nicht! Weder für andere BloggerInnen noch für diverse Printprodukte oder was auch immer ist mein Blogcontent frei benutzbar. Wohl aber frei zugänglich. Alles klar?!

Darüber sollten sich BloggerInnen im Klaren sein, daß sie in welcher Art von Blog grundsätzlich Geschenke machen. Das Lesen ist für die KonsumentInnen jederzeit umsonst, das sollte es zumindest sein. Ebenso das Bildbetrachten, das Videoschauen, die Erweiterung des Wissens also, das Lesen, Lernen und Lachen im Netz. So soll es sein. Und sollte es definitiv bleiben.

Davon weitgehend unberührt gibt es weitere Arten der Verwertung:

  • Der Verkauf von Abdruckrechten bei Bildern etwa, das kommt immer wieder einmal vor.
  • Auch Texte werden tatsächlich hin und wieder angekauft.
  • Oder BloggerInnen für Vorträge und Expertenrunden gebucht.

Alles das habe ich schon gemacht, für Geld natürlich, ja, ich blogge inzwischen sogar regelmäßig gegen Bezahlung. Dagegen ist nichts zu sagen, es handelt sich keineswegs um einen Widerspruch. Zumindest, solange der Inhalt nach wie vor frei zugänglich ist.

  • Außerdem gibt es flattr, ein nicht unumstrittenes Bezahlsystem, das inzwischen viele Blogs nutzen.
  • Und diverse Werbemöglichkeiten, die ein kleines Zubrot versprechen. Und womöglich auch halten.

Auf dem Gebiet der Werbung verfüge ich über wenig praktische Erfahrung. Nur, daß es rechtliche Konsequenzen hat, das weiß ich wohl. Darauf ist also zu achten. Flattrn kann man auch hier, aber erfahrungsgemäß lohnt es sich bei wenig bis mittelmäßig frequentierten Blogs kaum. Leider, denn im Grunde ist es doch eine schöne Idee, gerade für eher kleine Blogs, möchte man meinen. Aber gut.

Bestimmt gibt es noch viel mehr, von dem selbst ich noch nie zuvor gehört habe. Das kann man vorsichtig ausprobieren, nach und nach, oder aber das gleich ganze Blog damit zupflastern. Ganz wie es beliebt.

All die schönen Sachen taugen sowieso überhaupt nichts, ohne vernünftigen, tragfähigen Inhalt. Da fängt es also an, damit steht und fällt jedes Blog. Und dieser Inhalt sollte frei sein und frei bleiben. Content kann man sich selbst also keineswegs schenken. Trotzdem ist und bleibt er aber auf jeden Fall ein Geschenk.

Was tun bei Contentklau?

Montag, 31. Mai 2010

Um eines einmal klarzustellen: das Internet ist nicht wirklich umsonst, allein der Zugang kostet. Geld und Energie, noch einiges mehr. Und auch alle Bilder, alle Texte und was es sonst noch im Internet gibt, gehört irgendwem. Oder anders gesagt: es steht – meistens – nicht zur freien Verfügung.

Richtig herumgesprochen hat sich das aber noch nicht, so scheint es zumindest. Man sollte doch meinen, daß wenigstens eine Nachfrage angesagt wäre, wenn ein Element von einer anderen Seite benutzt werden soll. Auch, wenn es sich um eine rein private Seiten handelt.

Wie also damit umgehen, wenn einem genau das passiert? Wenn die eigenen Texte oder Bilder auf einmal ungefragt ganz woanders auftauchen? Möglichkeiten gibt es viele, angefangen von einer Abmahnung durch einen gewitzen Anwalt, über das Erstellen einer saftigen Rechnung, bis hin zu einem persönlichen Hinweis verbunden mit der Bitte um Entfernen des fremden Materials.

Auch ein guter Weg ist es offensichtlich, mit dem Finger darauf zu zeigen. So geschehen in den letzten Tagen im wilden Gartenblog. Zunächst wurde eine ausführliche Darstellung veröffentlicht, bereits zwei Tage später hatte sich die Sache dann erledigt. Oder die Karawane ist weitergezogen, hat sich ein neues Spielfeld gesucht. Bis das Gerangel wiederum entdeckt und auf die eine oder andere Art ausgeschaltet wird.

Ein ziemlich blödes, zeitraubendes Getue.

Blogs verfügen über eine immense Eigendynamik

Samstag, 2. August 2008

Jedes Blog hat ein Thema. Das ist so, ganz egal, ob es vorher gewählt wurde oder ob es sich selbst gefunden hat. An diesem Thema orientiert sich naturgemäß der Inhalt, in schönstem Neudeunlish auch „Content“ genannt. Es gibt also Litblogs, Watchblogs, Placeblogs und eine Unmenge von Strickblogs, alle mit offensichtlich eindeutiger Ausrichtung. Kleinere oder größere Abweichungen gibt es jedoch immer. Beinah jedes Blog, selbst komplett technisch ausgerichtete, warten hier und da mit ein paar (vielleicht sogar persönlichen) Bemerkungen auf, die völlig aus der Art schlagen. Schauen Sie sich einfach mal um, nutzen Sie das Archiv oder die Suchfunktion und suchen Sie danach. Ich bin sicher, Sie werden schnell fündig.

Andere Blogs sind nicht so konsequent umrissen. Mek Wito zum Beispiel beschäftigt sich – in meinen Augen zumindest – ganz eindeutig mit Literatur, auch wenn das auf den ersten Blick nicht unbedingt zu erkennen ist. Es gibt auch Kurznotizen, technischen Kram und immer wieder Reiseberichte. Auch mein „Privatblog“ engl@absurdum hat sich im Laufe der Zeit gewandelt. Ursprünglich entstand es aus der Idee, begleitend zum Schreiben Arbeitsprotokolle festzuhalten. Diese Idee gab es bereits vor der Einrichtung des ersten Blogs, damals wurden meine Notizen allerdings nur von einer einzigen Person gelesen. Und zwar analog, ausgedruckt auf Papier. Die spätere (unvollständige) Aufbereitung im Netz ist vermutlich auch nicht besonders häufig frequentiert worden. Unsinnige und damals schon veraltete Technik sei Dank.

Seit 1997 hat sich meine Blogidee also weit von seinem Ursprung entfernt, ich kann es nicht anders sagen. Auch wenn ich selbst gerade dieses Blog, im Gegensatz zu den anderen, die ich führe oder an denen ich mitarbeite, immer noch genau so verstehe.

Solche Entwicklungen sind für Blogs übrigens ganz normal, insbesondere, wenn sie bereits länger bestehen und regelmäßig geführt werden. Don Dahlmann, ebenfalls ein Mehrfach-, wenn nicht Vielfachblogger, hat es schon vor einiger Zeit zusammengefaßt. Blogs machen Metamorphosen durch, analog zu ihren Autoren. Das ist unvermeidlich.

Vermutlich macht sich jedes Blog mit der Zeit mehr oder weniger selbständig. Das ist es, was Blogs von Büchern unterscheidet. Anders als Zeitungen oder Magazine bleiben sie zwar verfügbar, dennoch sind sie häufig an den Moment gebunden. Und das in vielfacher Hinsicht, Inhalt und Autorenhaltung sind da nur zwei Aspekte. Planbar sind Blogs also nur bis zu einem gewissen Grad. Darauf sollte man von Anfang an gefaßt sein.

Alles ist Inhalt

Donnerstag, 24. Juli 2008

Morgens in der Küche höre ich BBC Radio. Immer. Das ist fester Bestandteil meiner ganz persönlichen Aufwachzeremonie, in deren Zentrum die erste und einzige Kaffeezubereitung des Tages steht. Die anderen Bestandteile wechseln, manchmal gibt es Müsli, Äpfel, Käse und Brot, ein anderes Mal nur Schokolade zum Frühstück. Je nachdem, wie die Termine liegen. Aber zwischen all dem und durch jeden meiner meist müden Morgen hindurch redet eine Weile BBC auf mich ein. Soviel Zeit muß sein.

Immerhin ist die BBC – the British Broadcasting Corporation – der Welt größtes Nachrichtending, mit Rundfunk und Fernsehen und einer mehr als soliden Website. Das Angebot dort steht in 33 Sprachen zur Verfügung, auch auf Französisch und Spanisch. Nur auf Deutsch nicht, doch darüber möchte ich an dieser Stelle nicht spekulieren.

Vielmehr beschäftigt mich seit einigen Tagen die Frage nach dem Inhalt. Wie füllt man soviel Zeit, fast ohne jede Musik? So ist das nämlich. BBC World sendet alle halbe Stunde Nachrichten, und auch dazwischen gibt es, zumindest am Morgen, nur Wortbeiträge. Reportagen, Live-Interviews und moderierte Talkrunden. Alles in höchster journalistischer Qualität und Humor. Das ist schon nach ein paar Minuten bestechend.

Natürlich ist das eine rhetorische Frage. Hinter einer solchen Firma stecken gut durchdachte Strukturen, viele verschiedene Menschen, in den verschiedensten Positionen, und nicht zuletzt eine Menge Geld. Anders geht es nicht, und das kann sich sicher jeder bildlich vorstellen. Ein Gewusel und Gehetze, rund um die Welt. Das ist BBC.

Blogger hingegen hocken meistens vor ihrem Rechner, immer auf demselben Fleck. Von dort aus kümmern sie sich um die Technik, den Inhalt und letztendlich auch noch die Leserpflege, mutterseelenallein. Das kann man natürlich nicht vergleichen, ein Blog und die BBC. Das funktioniert nicht. Ein Blog ist etwas ganz anderes, aber auch ein Blog will gefüllt sein. Und lernen kann man das überall, auch im Radio.

Neulich zum Beispiel, während gerade der Kaffee zu brodeln anfing, war doch nebenbei tatsächlich ein im Grunde absolut typischer Blogbeitrag zu hören. Keine Moderation, keine O-Töne, keine Schnitte. Nichts dergleichen. Nur ein Mensch, der eben mal schnell was erzählt. Um das Falten von Zeitungen ging es da, um die Sinnlichkeit von Druckerschwärze an den Fingern, und daß der Vater des Autors Zeit seines Lebens eine innige Beziehung zu seiner Tageszeitung gepflegt hatte.

Gut erzählt war es natürlich. Ohne Zweifel gab es auch etliche eingestreute Fakten, an die ich mich jetzt nicht mehr erinnere. Doch es war BBC, da beruht alles auf gründlichen Recherchen. Davon gehe ich aus.

Nicht zuletzt muß noch festgehalten werden, daß das Thema in letzter Zeit verschiedentlich vorkam. Wie und wieso können oder sollen junge Leute wieder an Zeitungen herangeführt werden? Informationsflut, Medienkompetenz und so weiter. Sind Zeitungen überhaupt noch zeitgemäß? Auch in Blogs wurde darüber geschrieben, wenn ich mich recht erinnere. Zumindest über Teilaspekte. Aber um das Thema selbst soll es im Moment nicht gehen. (Hab mir außerdem mal wieder die Links nicht gemerkt und jetzt keine Lust zu suchen.)

Soviel nur zum Thema Blogger und Journalisten. Es muß halt gemacht werden, und es muß gut gemacht werden. Egal wo. Mehr gibt es dazu nicht zu sagen.